Thessalonike von Makedonien (altgriechisch Θεσσαλονίκη Thessaloníkē; * ca. 352 bis 340 v. Chr.; † 295 v. Chr.) war als Tochter des Königs Philipp II. eine makedonische Prinzessin, die in den Kämpfen um die Nachfolge ihres Halbbruders Alexander der Große, den so genannten Diadochenkriegen, eine nicht unbedeutende Rolle spielte.
Auf ihr Geburtsjahr kann man nur schließen, indem man ihren Namen zugrunde legt: er setzt sich aus Θεσσαλία Thessalía „Thessalien“ und νίκη níkē „Sieg“ zusammen, so dass man annehmen darf, dass sie ihn wegen eines Sieges der Makedonen am Tag ihrer Geburt in Thessalien erhielt. Es kommen dafür die Jahre 352/1 v. Chr. – Sieg Philipps II. über den phokischen Feldherrn Onomarchos – oder um 345/344 v. Chr. in Betracht. Für ein späteres Jahr spricht, dass sie nicht vor 316 v. Chr. heiratete, was freilich auch den unglücklichen Umständen ihres Lebens geschuldet sein kann. Denn als ihre Mutter Nikesipolis, geboren in Pherai, eine Nebenfrau Philipps, bald nach ihrer Geburt verstarb, wurde das Kind am Hofe wohl von seiner Stiefmutter Olympias erzogen, der nach dem frühen Tod des Vaters nicht unbedingt an guten verwandtschaftlichen Beziehungen des fremden Kindes gelegen sein muss. Über Thessalonikes Jugend ist nichts bekannt, ebenso wenig über ihre Beziehungen zu ihrem Halbbruder Alexander.
In den erhaltenen Quellen wird Thessalonike erst wieder unter dem Jahr 317/316 v. Chr. erwähnt. Damals kehrte Olympias aus Epirus nach Makedonien zurück, um dort die Herrschaft zu übernehmen, traf dabei aber auf den Widerstand von Kassander, der die Königsfamilie in Pydna belagerte und später die alte Königin hinrichten ließ. Auch Thessalonike, die sich bei Olympias befand, kam dabei in seine Gewalt, und um seine Anspruch auf den makedonischen Thron zu stärken, vermählte er sich 316 v. Chr. mit ihr. Im Jahre 315 v. Chr. ließ Kassander am Thermäischen Golf durch Synoikismos eine Stadt errichten, die er nach seiner Frau benannte. Das heutige Thessaloniki entwickelte sich bald zur bedeutendsten Stadt der gesamten Region neben Kassandria, der Hauptstadt der Chalkidiki.
Aus der Ehe mit Kassander gingen drei Söhne hervor, die späteren makedonischen Könige Philipp IV., Antipatros I. und Alexander V. Nach dem Tod ihres Gatten und ihres ältesten Sohns 298/297 v. Chr. erlangte Thessalonike als Regentin für ihre jüngeren Söhne offenbar einigen Einfluss, bis schließlich Antipater (Antipatros I.) sie 295/4 töten ließ, weil sie den jüngeren Sohn, Alexander, bevorzugte.
Siehe auch
- Antipatriden
Literatur
- Ernst Badian: Thessalonike (2). In: Der Neue Pauly (DNP). Band 12/1, Metzler, Stuttgart 2002, ISBN 3-476-01482-7, Sp. 453.
- Helmut Berve: Das Alexanderreich auf prosopographischer Grundlage. Bd. 2: Prosopographie. Beck, München 1926, S. 179 f.
- Waldemar Heckel: Who’s Who in the Age of Alexander the Great. Prosopography of Alexander’s Empire. Blackwell, Oxford u. a. 2006, ISBN 1-4051-1210-7, S. 265.
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