Die Villa di San Francesco di Paola ist ein ehemaliges Kloster der Paulaner im Süden von Florenz, Italien. Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts spielte das Gebäude eine bedeutende Rolle als Künstlerhaus. Gefördert durch den Mäzen Konrad Fiedler, richteten sich zunächst der deutsche Bildhauer Adolf von Hildebrand und der eng befreundete Maler Hans von Marées einen gemeinsamen Ateliersitz ein, zerstritten sich aber bereits im ersten Jahr, so dass das Haus exklusiv durch von Hildebrandt und seine Familie genutzt, eingerichtet und erweitert wurde. Vom Belvedere im Garten hat man einen herausragenden Blick auf die Stadt Florenz.
Gebäude und Garten sind in privater Hand der Familie von Hildebrandt und können aufgrund einer Vereinbarung mit der Associazione Dimore Storiche Italiane an festgelegten Daten nach Voranmeldung besichtigt werden.
Klostergründung
Der Bellosguardo-Hügel oberhalb des Arno war bereits seit 1064 mit dem Kloster San Donato a Scopeto bebaut, das 1420 vom reformorientierten Zweig des Augustinerorden übernommen wurde und eine Blütezeit erfuhr. Bei der Belagerung von Florenz 1529/30 wurde der Abriss des Klosters beschlossen, die Fassade der Klosterkirche aber gerettet, Teile sind bis heute an der Kirche San Jacopo sopr’Arno nahe der Ponte Vecchio erhalten.
Das neue Kloster wurde 1575 durch Bianca Cappello gestiftet, die zu Ehren des Franz von Paola ein Kloster des von ihm gegründeten Ordens errichten ließ. Mit finanzieller Unterstützung von Francesco I. de’ Medici erbauten die Paulaner bis 1583 eine Renaissance-Kirche mit angebautem Kloster am Hang des Hügels Bellosguardo. Das Grundstück war im Besitz der Familie Strozzi und wurde dem Kloster von Alexander Strozzi geschenkt. Es war 15 staioro, etwa einen Hektar, groß und mit einem Bauernhaus mit Weinberg, Wiesen und einem Olivenhain bestanden.
Das Kloster wurde zwischen 1589 und 1593 errichtet, der Architekt ist unbekannt, wobei über Gherardo Silvani spekuliert wird. Der Bau ist schlicht und dem besonders streng verstandenen Armutsgelübde der Paulaner entsprechend. Der Bau war dreistöckig, rechteckig, etwa 30 Meter lang und schließt hangaufwärts, etwa südseitig an die gleichnamige Klosterkirche di San Francesco di Paola an.
Aufgrund der Zerstörung des Stadtarchivs 1966 durch eine Flut des Arno lässt sich das Verhältnis des Klosters am Hügel zu seinem Mutterhaus San Giuseppe bei Santa Croce nicht völlig klären. Zu vermuten ist, dass es sich um eine Klostervilla handelte, in der immer nur einige wenige, eher privilegierte Angehörige des Ordens lebten.
Spätere Nutzung
Nach dem Ende der Selbstverwaltung der Stadt Florenz nach dem Tod von Gian Gastone de’ Medici 1737 und dem Übergang des Großherzogtum Toskana in Personalunion mit dem Habsburgerreich übernahm 1765 Peter Leopold, der spätere Leopold II., die Herrschaft über die Toskana und entwickelte sie zu einem Musterstaat der Aufklärung. Die Rolle der Kirche wurde zurückgedrängt, kleine Klöster zusammengelegt oder aufgehoben, nicht zuletzt um über den Grundbesitz verfügen zu können.
Das Kloster San Francesco di Paola wurde vergleichsweise spät 1782 aufgehoben und im folgenden Jahr wurde das Gebäude zum Sitz der Verwaltung von Galluzzo, das 1774 als Verwaltungseinheit für einen Teil des Siedlungsgebietes außerhalb der Florentiner Stadtmauern gegründet worden war. 1865 wurde der Gemeindeverband aufgehoben und wieder in die Stadt Florenz eingegliedert. Von 1881 bis 1928 war es erneut eine selbständige Gemeinde. Heute ist es Teil des 3. Stadtbezirks (Quartiere 3: Gavinana/Galluzzo) von Florenz.
Nach der Aufhebung der Gemeindeverwaltung 1865 wurde das Gebäude geräumt und in mehreren Einheiten vermietet, mittelfristig sollte es verkauft werden. 1873 war im Erdgeschoss ein englischer Maler namens William Stark gemeldet, im ersten Stock waren 14 Räume offenbar einzeln vermietet, der zweite Stock in zwei große vermietete Einheiten zu fünf und zehn Räumen geteilt. Diese Nutzung geht aus einem Gutachten hervor, das für die Versteigerung angefertigt wurde, demnach wurden Gebäude und Grundstück mit 36.666 Lire bewertet. Zwei Versteigerungstermine führten nicht zu einem Zuschlag, weshalb für den dritten Termin am 26. Februar 1874 nur noch 27.000 Lire aufgerufen wurden.
Noch im Jahr 1874 kaufte der deutsche Bildhauer Adolf von Hildebrand die Villa mit einem Vorschuss auf das Erbe seines Vaters und ließ mit Unterstützung seines Mäzens Konrad Fiedler je ein Atelier für sich und den befreundeten Maler Hans von Marées einrichten. Marées zog schon 1875 nach einem Streit wieder aus. Für rund 30 Jahre war die Villa Sitz der Künstlerfamilie von Hildebrand, bis Adolf von Hildebrand endgültig in das von ihm selbst 1898 erbaute Hildebrandhaus in München umzog. In dieser Zeit ließ Hildebrand jeweils zwei Klosterzellen zu einem größeren Raum zusammenlegen, baute ein weiteres Atelier im zweiten Obergeschoss ein und schuf zwei Salons. Das Haus ist weiterhin in Familienbesitz, der Familienname wechselte durch Einheirat auf Brewster.
Die Villa stand seit der Übernahme durch die Familie Hildebrand im Mittelpunkt einer Gemeinschaft von Kosmopoliten, die die Kultur Italiens suchten und entweder dauerhaft oder zeitweise das Klima in Florenz ihren Heimatländern vorzogen. Unter den kurzzeitigen oder längeren Gästen in der Villa waren unter anderem Richard und Cosima Wagner, Clara Schumann, Ethel Smyth, Henry James, William Ewart Gladstone und Bernard Berenson. Weitere Gäste waren Franz Liszt, Arnold Böcklin, Joseph Joachim, Johannes Brahms, Hermann von Helmholtz, Werner von Siemens, Eleonora Duse und nicht zuletzt Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn.
Das Haus wurde vor allem durch von Hildebrands Frau Irene, geborene Koppel-Schäufelen eingerichtet. Sie stammte aus einer vermögenden Familie und hatte die Mittel, alte italienische Möbel anzukaufen, die sparsam in den großzügigen Räumen verteilt wurden. Ab 1876 wurden vereinzelt Räume zusammengelegt und vergrößert. Decken und Wände, zum Teil auch die Außenwände, stattete von Hildebrand mit Fresken, Reliefs und wertvollen Gobelins aus. Haus und Park mit Gefällen und steilen Anstiegen, Obstbaumwiesen und Olivenhainen spiegeln die toskanische Landschaft en miniature wider und etablierten sich als vielbeschworene Künstleridylle, deren „wunderbare Stimmung“ noch ein Jahrhundert später Georg Baselitz beschrieb.
Baubeschreibung
Die heutige Villa, das ehemalige Kloster, schließt sich südlich an die Kirche San Francesco di Paola an. Der Eingang liegt auf der Ostseite und wird durch eine große Tür mit Doppelflügeln und Oberlicht eröffnet, über dem ein Balkon mit schmiedeeisernem Gitter mit Auflage aus groben Stein ausragt. Die Renaissance-Loggia auf der Westfassade wird von sieben Steinsäulen getragen, sie sind in Toskanischer Ordnung schlank und verjüngen sich nach oben, wo sie durch dorische Kapitelle abgeschlossen werden. Zwischen den Säulen spannen sich Korbbögen, die ein Kreuzgewölbe abschließen. Das Erdgeschoss weist die doppelte Höhe gegenüber den beiden Obergeschossen auf und besteht hauptsächlich aus zwei großen Sälen, die ursprünglich als Kapitelsaal und Refektorium genutzt wurden. Später haben sich dort die Künstler ihre Ateliers eingerichtet. Durch die Proportionen ergibt sich ein „elegantes Erscheinungsbild“, bei gleichzeitig schlichter Ausführung.
Die beiden oberen Stockwerke hatten einen fast identischen Grundriss mit einem zentralen Gang in der vollen Länge und Klosterzellen nach beiden Seiten. Die Putzfassade der Obergeschosse mit Leisten, Pilastern und Perlschnur-Ornamenten weist auf das 18. Jahrhundert hin und wurde wahrscheinlich von der Familie Federighi gestaltet.
An der Fassade sind mehrere Reliefs von Adolf von Hildebrand angebracht, in der Loggia stehen drei Statuen aus seiner Hand. Im Garten steht nahe dem Eingang eine Statue des Franz von Paola, die Giuseppe Piamontini 1695 im Auftrag von Cosimo III. de’ Medici geschaffen hat. Der Garten selbst wird durch Zypressen geprägt, die Irene Hildebrand auf den vorher durch das Kloster landwirtschaftlich genutzten Flächen gepflanzt hat.
Auf dem Gelände befinden sich mehrere Nebengebäude, die zu verschiedenen Zeiten errichtet wurden. Darunter die ehemalige Scheune, die sich Autor und Kosmopolit Harry Brewster (1910–1999) und Enkel von Adolf von Hildebrand zum Wohnhaus umgebaut hatte.
Literatur
- Harry Brewster: Out of Florence - from the world of San Francesco di Paola. Ratcliff 2000, ISBN 978-1-86064-543-3
- Felicitas Ehrhardt: Ästhetisches Utopia - Adolf von Hildebrand und sein Künstlerhaus San Francesco di Paola in Florenz - Untersuchungen zu seiner Geschichte und Bedeutung. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg, 2018. Zugleich Dissertation Universität Hildesheim 2017, ISBN 978-3-7954-3337-6
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