Carnegie Corporation of New York

Die Carnegie Corporation of New York ist eine 1911 von Industriellem Andrew Carnegie gegründete private US-amerikanische Förderstiftung mit Hauptsitz in New York City. Ihr Stiftungszweck ist laut Satzung die „Förderung und Verbreitung von Wissen und Verstehen“ (to promote the advancement and diffusion of knowledge and understanding). Sie zählt damit zu den ältesten, größten und einflussreichsten Stiftungen in den USA. Ende 2024 betrug das Stiftungsvermögen etwa 4,5 Milliarden US-Dollar; im Geschäftsjahr 2023/24 wurden 353 Zuschüsse im Volumen von insgesamt rund 174 Millionen US-Dollar vergeben. Die Corporation fördert Projekte vor allem in den Bereichen Bildung, Wissenschaft, Demokratie, internationale Friedens- und Sicherheitsfragen sowie Hochschulentwicklung in Afrika.

Carnegie Corporation of New York
Gründung 1911
Gründer Andrew Carnegie
Sitz New York City, USA
Vorsitz Louise Richardson
Website www.carnegie.org

Geschichte

Andrew Carnegie hatte sich nach dem Verkauf seines Stahlunternehmens entschieden, den Großteil seines Vermögens einer gemeinnützigen Stiftung zu übergeben. 1911 gründete er die Carnegie Corporation of New York mit einem Anfangskapital von etwa 135 Mio. USD (125 Mio. bei Gründung und weitere 10 Mio. durch seinen Nachlass). Damit war sie damals die größte jemals eingerichtete Förderstiftung. Einen Teil dieses Kapitals reservierte Carnegie für die ehemaligen britischen Kolonien (heute Commonwealth-Staaten); durch Satzungsänderungen darf die Corporation bis zu 7,4 % ihrer Erträge für Vorhaben in diesen Ländern verwenden.

In den Anfangsjahren (1911–1919) war Andrew Carnegie selbst Präsident der Corporation, unterstützt von seinem Sekretär James Bertram und Finanzagent Robert Franks. Nach Carnegies Tod 1919 wählte der Stiftungsrat einen hauptamtlichen Präsidenten. Zunächst folgten kurze Amtszeiten (z. B. Supreme-Court-Justice Elihu Root 1919–20 und James R. Angell 1920–21). Ab 1923 übernahm Frederick P. Keppel das Amt. Unter Keppel (1923–1941) verlagerte sich der Schwerpunkt von reinen Bibliotheksbauten hin zur Stärkung von Bibliothekssystemen, Erwachsenenbildung und Schulwesen. Er förderte u. a. Studien zur Rassenbeziehung (Gunnar Myrdals „American Dilemma“), den Ausbau von Schul- und Bibliotheksnetzwerken in Afrika und die Einrichtung von Bildungskommissionen. 1928 führte die Carnegie Corporation die „Carnegie Poor White Study“ über von Armut betroffene Weiße in Südafrika durch.

In der Nachkriegszeit intensivierte die Corporation die Förderung von Sozial- und Erziehungswissenschaften. Charles Dollard (Präsident 1948–1955) unterstützte den Einsatz standardisierter Leistungstests und den Ausbau des Russlandforschungszentrums an der Harvard University. Unter John W. Gardner (1955–1967) wurden Programme für Liberal-Arts-Ausbildung und Erwachsenenbildung weiter ausgebaut. Alan Pifer (Präsident 1967–1982) setzte das Engagement für benachteiligte Gruppen fort und lancierte Projekte zur Bürgerbildung und Gleichstellung (z. B. Förderung von Berufsausbildungen für Minderheiten und Rechtshilfeprogrammen). In den 1960er Jahren förderte die Corporation auch die Gründung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens in den USA (PBS) und sendete Bildungsprogramme wie Sesame Street. Unter Pifer finanzierte die Carnegie Corporation auch gemeinsam mit der Ford Foundation und der Rockefeller-Stiftung die Bürgerrechtsbewegung, u. a. durch die Finanzierung von Klagen.

1982 trat der Mediziner David A. Hamburg die Nachfolge Pifers an. Unter Hamburg (1982–1997) konzentrierte sich die Stiftung verstärkt auf frühkindliche Bildung, Jugendförderung und Wissenschaft (vgl. Berichte Science for All Americans, 1989). Zudem erweiterte sie ihr Engagement in internationaler Sicherheit: Sie finanzierte Forschungen zur nuklearen Abrüstung (u. a. Analysen zur Strategic Defense Initiative) und unterstützte Projekte zur Konfliktprävention (z. B. die Nunn-Lugar-Initiative zur Abrüstung nach dem Ende der Sowjetunion). In den 1990er Jahren gründete die Corporation zahlreiche Kommissionen zu Bildung und Wissenschaft (z. B. „Task Force on Meeting the Needs of Young Children“ (1991) oder „What Matters Most“ (1996)) und rückte das Thema Demokratie in den Fokus.

1997 übernahm der Kulturhistoriker Vartan Gregorian das Präsidentenamt. Unter ihm wurden die Förderbereiche neu strukturiert. 1998 definierte die Corporation vier Hauptprogramme: Bildung, Internationaler Frieden und Sicherheit, Internationale Entwicklung sowie Demokratie. Anfang des 21. Jahrhunderts erweiterten sich die Aktivitäten auf globale Entwicklungen (z. B. Stärkung des Hochschulwesens in Afrika).

Aktivitäten

Die Carnegie Corporation fördert sowohl nationale als auch internationale Projekte. Sie vergibt Stipendien und Zuwendungen in den zentralen Programmbereichen Bildung, Wissenschaft, Demokratie und internationale Sicherheit sowie Hochschulentwicklung in Afrika. Zu den geförderten Themen zählen etwa Lehrerbildung, Wissenschaftsliteracy und Medienbildung in der Schule. Historisch prägend war etwa die Unterstützung der Kinderfernsehwerkstatt (Children’s Television Workshop), die das Bildungsfernsehprogramm Sesame Street produzierte, sowie der Carnegie-Kommission für Bildungsfernsehen, deren Empfehlungen 1968 zur Gründung des öffentlichen US-Fernsehens (PBS) führten. Im Bereich Demokratie unterstützt die Stiftung Initiativen zur Stärkung der politischen Bildung, Wahlbeteiligung und des bürgerschaftlichen Engagements.

Zum Programmbereich Internationale Sicherheit und Abrüstung zählt die Förderung von Forschung zu Rüstungskontrolle und Friedensverhandlungen. So finanzierte die Corporation in den 1980er und 1990er Jahren Studien zur nuklearen Abschreckung (u. a. Analysen zum Strategic Defense Initiative-Programm) und unterstützte Projekte zur Verbreitungsprophylaxe von Massenvernichtungswaffen. Im Bereich Hochschulwesen in Afrika fördert die Stiftung den Ausbau von Universitäten und Forschungseinrichtungen. Im Haushaltsjahr 2023/24 wurden 353 Zuschüsse im Umfang von 174 Mio. USD vergeben. Die geförderten Institutionen reichen von Forschungseinrichtungen und Hochschulen über NGOs bis hin zu Bildungsmedien.

Kritik

Wie auch andere größere Stiftungen stand die Carnegie Corporation im frühen 20. Jahrhundert der Eugenik-Bewegung nahe. Frederick H. Osborn, ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Carnegie Corporation, war überzeugter Befürworter von Eugenik und der Bevölkerungskontrolle, verfasste 1940 das Werk „Preface to Eugenics“ (Vorwort zur Eugenik). 1952 gründete er gemeinsam mit John D. Rockefeller III den Population Council. Das Carnegie Institute of Washington (nicht mit der Carnegie Foundation gleichzusetzen) finanzierte zudem das Eugenics Record Office, das biologische und soziale Informationen über die amerikanische Bevölkerung sammelte, „Rassenhygiene“ propagierte und bis zu seiner Schließung im Jahre 1939 für staatlich erzwungene Sterilisierung eintrat.

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann sich die Carnegie Corporation zu einer linksprogressiven Organisation zu wandeln. Kritiker aus konservativen Kreisen bemängelten etwa in den 1970er Jahren, die Stiftung habe rund 20 Mio. USD an Organisationen mit progressiver Agenda vergeben. In jüngerer Zeit warf etwa das konservative Center for Immigration Studies (CIS) der Carnegie Corporation vor, in der Einwanderungspolitik einseitig Kampagnen zu finanzieren und politisch nicht mehr neutral zu sein, im Widerspruch zur Version von Andrew Carnegie. Auch einzelne geförderte Studien waren umstritten: So löste der 1973 erschienene Bericht Inequality: A Reassessment of the Effect of Family and Schooling in America von Christopher Jencks – finanziert durch die Corporation – eine breite Debatte über Bildungsungleichheit aus.

Leitung

Die Präsidenten der Carnegie Corporation waren (mit Amtszeiten):

  • Andrew Carnegie (1911–1919), Unternehmer, Gründer und erster Präsident.
  • Elihu Root (1919–1920), Jurist und US-Außenminister.
  • James R. Angell (1920–1921), Philosoph und Präsident der Yale University.
  • Henry S. Pritchett (1918–1923, geschäftsführend), Mathematiker und Leiter von Carnegie Mellon.
  • Frederick P. Keppel (1923–1941), Chemiker und früherer Dekan der Columbia University; er konzentrierte die Förderungen auf Bibliotheksnetze, Erwachsenenbildung und Hochschulen.
  • Walter A. Jessup (1941–1944), Erziehungswissenschaftler und Universitätspräsident der University of Iowa.
  • Devereux C. Josephs (1945–1948), Pädagoge.
  • Charles C. Dollard (1948–1955), Pädagoge; er baute die sozialwissenschaftliche Forschung aus und förderte standardisierte Leistungstests.
  • John W. Gardner (1955–1967), Erziehungsreformer und Politiker; er erweiterte Programme für Bürgerengagement und Hochschulausbildung.
  • Alan Pifer (1967–1982), Psychologe; er stellte Programme zur Förderung von Gleichberechtigung (u. a. für Frauen und Minderheiten) sowie Demokratiebildung in den Mittelpunkt.
  • David A. Hamburg (1982–1997), Arzt und Wissenschaftspolitiker; unter ihm wurden Kinder- und Jugendbildung sowie Forschung in Wissenschaft und Abrüstung Schwerpunkte.
  • Vartan Gregorian (1997–2021), Historiker; er setzte eine Verwaltungsreform um und etablierte vier zentrale Programme (Bildung, Frieden/Sicherheit, Entwicklung, Demokratie).
  • Louise Richardson (seit 2023), Politikwissenschaftlerin, zuvor Universitätsrektorin (Oxford).

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