Hildegard von Bingen (* 1098 in Bermersheim vor der Höhe (Ort der Taufkirche) oder in Niederhosenbach (damaliger Wohnsitz der Familie); † 17. September 1179 im Kloster Rupertsberg bei Bingen am Rhein) war eine deutsche Benediktinerin.
Sie gilt als eine der frühesten Vertreterinnen der deutschen Mystik des Mittelalters. Ihre Werke befassen sich unter anderem mit Religion, Medizin, Musik, Ethik und Kosmologie. Von ihr ist ein umfangreicher Briefwechsel erhalten geblieben, der sie als Ratgeberin und Mahnerin hochgestellter geistlicher und weltlicher Zeitgenossen zeigt, sowie Berichte über weite Seelsorgereisen und ihre öffentliche Predigertätigkeit.
In der römisch-katholischen Kirche wird Hildegard als Heilige verehrt. Papst Benedikt XVI. dehnte am 10. Mai 2012 ihre Verehrung auf die Weltkirche aus und erhob sie am 7. Oktober 2012 zur Kirchenlehrerin (Doctor Ecclesiae universalis). Hildegard ist neben Albertus Magnus (um 1200–1280) die einzige deutsche Person, der dieser Titel von der römisch-katholischen Kirche verliehen wurde.
Auch in der anglikanischen, der alt-katholischen und der evangelischen Kirche wird mit Gedenktagen an sie erinnert. Ihre Reliquien befinden sich in der Pfarrkirche von Eibingen.
Lebensgeschichte
Herkunft
Hildegard von Bingen wurde als Tochter der Edelfreien Hildebert und Mechtild geboren. Weder der genaue Geburtstag noch der Geburtsort werden von ihr oder zeitgenössischen Biografen genannt. Das wahrscheinliche Geburtsdatum lässt sich anhand ihrer Schrift Scivias näher eingrenzen auf die Zeit zwischen dem 1. Mai 1098 und dem 17. September 1098. Ausgedehnter Besitz der Familie Hildegards aus Bermersheim vor der Höhe (bei Alzey), der in ihre spätere Klostergründung einging und der in einem Dokument ein Hiltebertus von Vermersheim und seinem Sohn Drutwin (als Name von Hildegards Bruder bekannt) erwähnt werden, legten lange Zeit eine Geburt oder zumindest Kindheit auf dem Gut Bermersheim nahe. Nach neueren wissenschaftlichen Forschungsergebnissen aus dem Ende des letzten Jahrtausends stammt Hildegard von dem in einer Urkunde von 1112 genannten Hildebert (Hildebrecht) von Hosenbach ab. Hildebert wird im Jahr des Eintritts der Hildegard als Inkluse am Kloster Disibodenberg in einer Urkunde benannt, die den Disibodenberg betrifft. Nach Heinzelmann ist Bermersheim als Geburtsort unwahrscheinlich, da sich zum Zeitpunkt der Geburt von Hildegard dort kein Adelssitz mehr befand.
Nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung stammte Hildegard von Bingen mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Familie der Edelfreien von Hosenbach. Sie wurde 1098 als 10. Kind dieser Adelsfamilie geboren. Ihr Vater war demnach Hildebert (Hildebrecht) von Hosenbach, dem heutigen Niederhosenbach bei Idar-Oberstein und ihre Mutter Mechthild von Merxheim. Es ist demnach davon auszugehen, dass Hildegard am Stammsitz ihrer Familie im heutigen Niederhosenbach geboren wurde und dort die ersten acht Jahre ihres Lebens verbrachte.
Als zehntes Kind der Eltern sollte sie ihr Leben der Kirche widmen (ein Zehnter an Gott).
„[…] und meine Eltern weihten mich Gott unter Seufzern, und in meinem dritten Lebensjahr sah ich ein so großes Licht, daß meine Seele erzitterte […]“
Kindheit
Hildegard wuchs auf dem väterlichen Herrenhof auf und wurde in ihrem achten Lebensjahr, wie damals üblich, von ihren Eltern als Oblatin dargebracht und mit der etwa sechs Jahre älteren Jutta von Sponheim in religiöse Erziehung gegeben. Jutta hatte bereits zwei Jahre zuvor im Alter von 14 Jahren von dem Mainzer Erzbischof Ruthard die Jungfrauenweihe empfangen. Für drei Jahre übernahm diese Erziehung die geweihte Witwe Uda von Göllheim.
„In meinem achten Jahr aber wurde ich zu geistlichem Leben Gott dargebracht (oblata) und bis zu meinem fünfzehnten Jahr war ich jemand, der vieles sah und mehr noch einfältig aussprach, so daß auch die, welche diese Dinge hörten, verwundert fragten, woher sie kämen und von wem sie stammten.“
In der Klause auf dem Disibodenberg
- Lageplan des Klostergeländes
- Die Klosteranlage um 1500, Rekonstruktion von 1996
- Innenansicht der Kirchenruine Disibodenberg 1790. Privatsammlung v. Racknitz
- Klosterruine Disibodenberg, Teile des Kreuzgangs
- Giebel des Refektoriums, Baubeginn 1240
Am 1. November 1112 wurde sie mit Jutta, von da an ihre Lehrmeisterin, und einer dritten jungen Frau in einem Inklusorium an oder in dem seit 1108 von Benediktinermönchen bewohnten Kloster Disibodenberg eingeschlossen. Während Jutta an diesem Tage vor Abt Burchard (1108–1113) auch ihre Profess ablegte, tat dies Hildegard später vor dem Bischof Otto von Bamberg, der von 1112 bis 1115 den inhaftierten Mainzer Erzbischof Adalbert vertrat.
Nach dem Tode Juttas in der mittlerweile zum Konvent gewachsenen Klause wurde Hildegard 1136 zur Magistra der Schülerinnen gewählt. Mehrfach kam es zu Auseinandersetzungen mit Abt Kuno von Disibodenberg, weil Hildegard die Askese, eines der Prinzipien des Mönchtums, mäßigte. So lockerte sie in ihrer Gemeinschaft die Speisebestimmungen und kürzte die durch Jutta festgelegten, sehr langen Gebets- und Gottesdienstzeiten. Offener Streit brach aus, als Hildegard mit ihrer Gemeinschaft ein eigenes Kloster gründen wollte. Die Benediktiner von Disibodenberg stellten sich dem entschieden entgegen, da Hildegard deren Kloster Popularität verschaffte.
Beginn der öffentlichen Wirksamkeit
Bei der Leitung ihrer Anhängerschaft und zur Begründung ihrer geschriebenen Texte berief sich Hildegard auf Visionen, die nach ihrer eigenen Darstellung 1141 unwiderstehlich stark wurden. Unsicher über die göttliche Herkunft ihrer Visionen, suchte Hildegard in einem aufgewühlt klingenden Brief Unterstützung bei Bernhard von Clairvaux, der sie beruhigte, zugleich aber vorsichtig antwortete:
„Wir freuen uns mit dir über die Gnade Gottes, die in dir ist. Und was uns angeht, so ermahnen und beschwören wir dich, sie als Gnade zu erachten und ihr mit der ganzen Liebeskraft der Demut und Hingabe zu entsprechen. […] Was können wir übrigens noch lehren oder wozu ermahnen, wo schon eine innere Unterweisung besteht und eine Salbung über alles belehrt?“
Die beiden Briefe sind trotz gegenseitiger Hochschätzung die einzige Korrespondenz, die zwischen Hildegard und Bernhard stattfand. Da der Brief Bernhards die Erwartung Hildegards bzw. ihres Umfeldes nicht ganz erfüllte, wurde er für die Aufnahme in den Rupertsberger Riesenkodex abgeändert. Daneben wird in der neueren Forschung darüber gestritten, ob dieses kurze Zitat, das wie ein höfliches Ausweichmanöver gelesen werden kann, nicht genauso fiktiv ist wie die Episode über den vergeblichen Besuch Bernhards in Rupertsberg, bei dem Hildegard leider nicht anwesend sein konnte. Jedenfalls hat seine Anerkennung – ob fiktiv oder nicht – sehr zur Anerkennung ihrer historischen Persönlichkeit beigetragen.
Dennoch begann Hildegard 1141 in Zusammenarbeit mit ihrem Sekretär Volmar von Disibodenberg und ihrer Vertrauten, der Nonne Richardis von Stade, ihre Visionen und theologischen wie anthropologischen Vorstellungen in Latein niederzuschreiben. Da sie selbst die lateinische Grammatik wenig beherrschte, ließ sie alle Texte von ihrem Schreiber (letzte Sekretäre: Gottfried von Disibodenberg, Guibert von Gembloux) korrigieren. Ihr Hauptwerk Scivias („Wisse die Wege“) entstand in einem Zeitraum von sechs Jahren. Dieses Buch enthält 35 Miniaturen. Diese Miniaturen theologischen Inhalts sind äußerst kunstvoll in leuchtenden Farben gemalt und dienen hauptsächlich zur Veranschaulichung des komplizierten und tiefsinnigen Textes. Die Originalhandschrift gilt seit Ende des Zweiten Weltkrieges als verschollen, in der Abtei St. Hildegard in Eibingen befindet sich eine illuminierte Kopie aus dem Jahr 1939.
Während einer Synode in Trier bekam Hildegard 1147 schließlich von Papst Eugen III. die Erlaubnis, ihre Visionen zu veröffentlichen. Diese Erlaubnis stärkte auch ihre politische Bedeutung. Darüber hinaus stand sie mit vielen geistlichen und weltlichen Mächtigen in Korrespondenz. Hildegard hatte zahlreiche Visionen. 1141 erlebte sie eine Erscheinung, die sie als Auftrag Gottes verstand, ihre Erfahrungen aufzuzeichnen. Unsicher darüber, was diese Vision bedeutete, wurde Hildegard krank. In der Niederschrift ihrer Visionen, Scivias („Wisse die Wege“), schreibt Hildegard:
„Ich aber, obgleich ich diese Dinge hörte, weigerte mich lange Zeit, sie niederzuschreiben – aus Zweifel und Missglauben und wegen der Vielfalt menschlicher Worte, nicht aus Eigensinn, sondern weil ich der Demut folgte und das so lange, bis die Geißel Gottes mich fällte und ich ins Krankenbett fiel; dann, endlich bewegt durch vielerlei Krankheit […], gab ich meine Hand dem Schreiben anheim. Während ich's tat, spürte ich […] den tiefen Sinn der Heiligen Schrift; und ich erhob mich so selbst von der Krankheit durch die Stärke, die ich empfing und brachte dies Werk zu seinem Ende – eben so – in zehn Jahren. […] Und ich sprach und schrieb diese Dinge nicht aus Erfindung meines Herzens oder irgend einer anderen Person, sondern durch die geheimen Mysterien Gottes, wie ich sie vernahm und empfing von den himmlischen Orten. Und wieder vernahm ich eine Stimme vom Himmel, und sie sprach zu mir: Erhebe deine Stimme und schreibe also!“
Hildegards sehr bildliche Beschreibungen ihrer körperlichen Zustände und ihrer Visionen interpretiert der Neurologe Oliver Sacks als Symptome einer schweren Migräne, speziell aufgrund der von ihr geschilderten Lichterscheinungen (Auren). Sacks und andere moderne Naturwissenschaftler vermuten, dass Hildegard an einem Skotom litt, das diese halluzinatorischen Lichtphänomene hervorrief.
Meisterin vom Rupertsberg
Zwischen 1147 und 1150 gründete Hildegard das Kloster Rupertsberg auf dem Rupertsberg bei der Mündung der Nahe in den Rhein. Die erhaltenen Kunstgegenstände, vor allem das gold-purpurne Antependium, zeugen vom ehemaligen Reichtum Rupertsbergs. Bemerkenswert ist, dass Meister Mathis Gothart Nithart gen. Grünewald dieses Kloster Rupertsberg oberhalb der Nahe als Vorlage für die Klosterkirche im romanisch-frühgotischen Stil genommen hat, die im Hintergrund der „Weihnachtstafel“ des Isenheimer Altars (um 1516) zu sehen ist; das belegt ein Vergleich mit den Kupferstichen von Daniel Meisner und Matthäus Merian. Für diese Annahme spricht auch, dass Grünewald sich um 1510 in Bingen aufgehalten und auf der dortigen Burg Klopp als „Wasserkunstmacher“ gearbeitet hat.
- Kloster Rupertsberg vor der Zerstörung aus Meisner/Kieser: Politisches Schatzkästlein (1638)
- Kloster Rupertsberg mit Mäuseturm nach Meisner/Kieser, 1638
- Kloster Rupertsberg nach der Zerstörung durch die Schweden
- Matthias Grünewald: Isenheimer Altar, Weihnachtstafel, um 1515, Unterlinden-Museum in Colmar
- Kloster St. Hildegard in Eibingen
Bereits 1151 kam es zu neuen Auseinandersetzungen mit geistlichen Amtsträgern: Der Mainzer Erzbischof Heinrich und sein Bremer Amtsbruder Hartwig von Stade verlangten, dass Richardis von Stade das neue Kloster verlasse. Richardis war die Schwester des Bremer Erzbischofs und sollte Äbtissin des Klosters Bassum werden. Hildegard verweigerte zunächst die Freistellung ihrer engsten Mitarbeiterin und schaltete Eugen III. ein. Dennoch setzten sich die beiden Erzbischöfe schließlich durch, und Richardis verließ das Kloster Rupertsberg.
Nach dieser Einigung bestätigte Erzbischof Heinrich schließlich 1152 die Überschreibung der durch Hildegards Ruf sehr umfangreich gewordenen Klostergüter. Dieser ansteigende Reichtum wirkte sich auch auf das Leben der Gemeinschaft aus und rief Kritik hervor. So griffen mehrere Geistliche, aber auch Leiterinnen anderer Gemeinschaften, zum Beispiel die Meisterin Tenxwind von Andernach, Hildegard an, weil ihre Nonnen entgegen dem evangelischen Rat der Armut zu Festgottesdiensten luxuriös geschmückt erschienen und nur Frauen aus adligen Familien in Rupertsberg aufgenommen wurden. Als standesbewusste Adlige rechtfertige Hildegard den Grundsatz, dass nur adelige Frauen in ihr Kloster aufgenommen werden konnten, mit dem Hinweis, niemand bringe auch seinen ganzen Viehbesitz (Rinder, Esel, Schafe und Böcke) in einem einzigen Stall unter. Auch Gott mache Unterschiede innerhalb seines Volkes, obwohl er alle liebe. Da die Zahl der Nonnen im Rupertsberger Kloster ständig zunahm, erwarb Hildegard 1165 das leerstehende Augustinerkloster in Eibingen und gründete dort ein Tochterkloster, in das Nichtadelige eintreten konnten, und setzte dort eine Priorin ein. Hildegard von Bingen starb am 17. September 1179 im 82. Lebensjahr.
Wirken
Die Bedeutung Hildegards von Bingen lässt sich schlecht in einzelne Kategorien zwängen, da sich das Weltbild seit der Aufklärung stark verändert hat. In ihrer Zeit waren bedeutende Personen Universalgelehrte. Hildegard von Bingen gilt allgemein als Person, die durch eigene Denkansätze neue Impulse setzte und damit einen umfassenden Blickwinkel ermöglichte.
Religiöse und politische Bedeutung in ihrer Zeit
Ihr selbstbewusstes und charismatisches Auftreten führte zu ihrer großen Bekanntheit. Sie predigte als erste Nonne öffentlich dem Volk die Umkehr zu Gott (u. a. auf Predigtreisen nach Mainz, Würzburg, Bamberg, Trier, Metz, Bonn und Köln). Aus einem in seiner Echtheit umstrittenen Brief des Kaisers Barbarossa an sie, der im Wiesbadener Riesenkodex überliefert ist, wird geschlossen, dass dieser sich mit ihr als Beraterin in der Ingelheimer Kaiserpfalz getroffen habe. Auch im hohen Alter unternahm sie noch Reisen zu verschiedenen Klöstern.
Wegen ihres Glaubens und ihrer Lebensart wurde sie für viele Menschen zur Wegweiserin. Schon zu ihren Lebzeiten nannten viele sie eine Heilige. Hildegard begründete diese Auffassung, indem sie sich für ihre theologischen und philosophischen Aussagen immer wieder auf Visionen berief. Damit sicherte sie ihre Lehren gegen die Lehrmeinung ab, dass Frauen aus eigener Kraft nicht zu theologischen Kenntnissen in der Lage seien. Sie selbst bezeichnete sich als „ungebildet“. Unter anderem griff sie auf der Seite des Papstes in die theologische Auseinandersetzung um die Wandlung des Altarsakraments ein.
Ihre moralische Lehre faszinierte zu ihrer Zeit nicht nur die Nonnen, sondern auch Mönche, Adlige und Laien. Mit starkem Selbstbewusstsein setzte sie ihre Interessen gegen andere durch, sowohl aus Überzeugung als auch zur Durchsetzung politischer Ziele (z. B. bei der Bestattung eines begüterten Exkommunizierten oder dem Abstreiten der Besitzrechte des Disibodenberges).
Vor allem sind es die drei theologischen Werke, die ihren damaligen Ruhm begründeten. Ihr Hauptwerk Scivias („Wisse die Wege“) ist eine Glaubenslehre, in der Weltbild und Menschenbild untrennbar mit dem Gottesbild verwoben sind. Die philosophisch-theologische Gesamtschau, die in allen wesentlichen Punkten der Kirchenlehre entspricht, wird in 26 Visionen dargestellt. Papst Eugenius III. bestätigte 1147 die Authentizität des ersten Teils der Scivias und erlaubte Hildegard, öffentlich zu predigen. Damit ist Hildegard die erste Frau, die eine päpstliche Bestätigung als Autorität in theologischen Fragen erhielt.
Das zweite Visionswerk Liber vitae meritorum („Buch der Lebensverdienste“) könnte man als visionäre Ethik beschreiben. In ihm werden 35 Laster und Tugenden gegenübergestellt. Das dritte Buch Liber divinorum operum („Buch der göttlichen Werke“) ist Hildegards Schau über Welt und Mensch. Sie beschreibt hier die Schöpfungsordnung gemäß der mittelalterlichen Mikrokosmos-Makrokosmos-Vorstellung als etwas, in dem Leib und Seele, Welt und Kirche, Natur und Gnade in die Verantwortung des Menschen gestellt sind. Damit schuf sie auch eine frühe Form des Homo signorum.
Ebenfalls zum theologischen Gesamtwerk zu zählen ist ihre umfangreiche Korrespondenz mit hohen geistlichen und weltlichen Würdenträgern (darunter auch Bernhard von Clairvaux), die in ca. 300 Schriftstücken erhalten geblieben ist. Darin zeigt sie ihren außergewöhnlich starken Charakter und Gottesglauben. Für ihre Zeit wirken ihre offenen Worte und Ermahnungen, die sie gegenüber König und Papst führte, besonders bemerkenswert. Ihre Herkunft sowie die Besetzung höchster Kirchenämter durch Verwandte (u. a. ihr Bruder Hugo als Domkantor von Mainz) verschafften ihr den nötigen Einfluss, um angehört zu werden.
Natur- und heilkundliche Schriften
Im Prolog des Liber vitae meritorum und in einem um 1170 datierten Brief ihres Schreibers Volmar wird ein naturkundlich-medizinisches Werk mit dem Titel Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum erwähnt, an dem Hildegard nach Abschluss ihrer ersten Visionsschrift über mehrere Jahre gearbeitet habe. In der späteren handschriftlichen Überlieferung findet sich dieser Liber subtilitatum unter den Namen Liber simplicis medicinae (Physica) und Liber compositae medicinae (Causae et curae). Gestalt, Umfang und gegenseitiges Verhältnis dieser beiden Texte sind deshalb bis heute Gegenstand der Diskussion, unter anderem bei Laurence Moulinier.
Die Physica bietet in mehreren Büchern eine systematische Naturkunde der von Hildegard als heilkräftig verstandenen Geschöpfe, zu denen neben Kräutern und Bäumen auch Metalle, Steine, Fische, Vögel und Landtiere gehören. Den einzelnen „Kreaturen“ werden im Rahmen der hochmittelalterlichen Humoralpathologie bestimmte Qualitäten und Anwendungsgebiete zugeordnet. Zahlreiche Kapitel nennen ausdrücklich keine medizinische Verwendung. Die überlieferten Handschriften aus dem 13. bis 15. Jahrhundert zeigen stark divergierende Fassungen. Neuere Untersuchungen, vor allem von Reiner Hildebrandt, heben hervor, dass die heute greifbaren Rezensionen nur mittelbar auf einen verlorenen ursprünglichen Text zurückgehen und dass sich die Naturkunde in einem komplexen Geflecht von Exzerpten, Kompilationen und Bearbeitungen erhalten hat. Auf dieser Grundlage entstanden eine Edition der Florentiner Haupthandschrift im Vergleich mit der älteren Drucküberlieferung und anschließend eine textkritische Neuausgabe des Gesamtwerks.
Causae et curae ist – von kleineren Fragmenten abgesehen – nur in einer spätmittelalterlichen Handschrift vollständig überliefert. Der Traktat verbindet eine kosmologisch-anthropologische Einleitung mit einer Lehre von Temperamenten und Krankheitsursachen und schließt daran Krankheitsbeschreibungen, Therapievorschläge und Prognosen an. Charakteristisch sind eine konsequent humoralpathologische Argumentation und eine ausgeprägte Bildsprache, die medizinische Prozesse mit Alltagsbeobachtungen wie kochenden Töpfen oder reißenden Flüssen veranschaulicht, worauf besonders Ortrun Riha hingewiesen hat. Moulinier verdeutlicht in der Einleitung der Edition, dass Stil und Stoff des Werkes weitgehend hildegardisch sind, während einzelne Rezept- und Prognosepartien als spätere Zusätze gelten.
Bereits im Spätmittelalter wurden Teile der Naturkunde in volkssprachige Heilmitteltraditionen und Kräuterbücher integriert. Das mittelhochdeutsche Speyrer Kräuterbuch verarbeitet umfangreiche Passagen des Pflanzenbuchs der Physica neben Inhalten aus dem Macer floridus und dem Circa instans und diente als eine der Hauptquellen für den 1485 in Mainz gedruckten Gart der Gesundheit, in dem Anwendungen Hildegards anonym neben Autoritäten wie Dioskurides, Plinius und Galen genannt werden. Diese Rezeption ist insbesondere von Peter Riethe untersucht worden. Weitere Exzerpte aus Physica und Causae et curae finden sich in spätmittelalterlichen Sammelhandschriften und Rezepttexten, etwa im Kochbuch des Eberhart von Landshut.
In der medizinhistorischen Forschung werden Physica und Causae et curae heute nicht als Visionsschriften, sondern als eigenständige Zeugnisse der Klostermedizin gelesen, in denen gelehrte Tradition und klösterliche Praxis zusammengeführt sind. Seit den 1970er Jahren hat sich daneben eine kommerzialisierte „Hildegard-Medizin“ etabliert, unter der heute ein breites Spektrum von Ratgeberliteratur, Kursangeboten und Fertigprodukten mit angeblichem Bezug auf Hildegard geführt wird. Quellenkritische Studien betonen die Einbindung der natur- und heilkundlichen Texte in die Wissens- und Vorstellungswelt des 12. Jahrhunderts und warnen vor anachronistischen Rückprojektionen moderner Therapie- und Gesundheitsvorstellungen.
Sexuelle Begierde und Empfängnis
Im zweiten Buch der Causae et curae behandelt Hildegard neben Themen wie Nasenbluten oder Aderlass auch Sexualität, Begierde, Samenerguss und Empfängnis. In mehreren Kapiteln ordnet sie sexuelle Lust und Zeugung in eine humoralpathologische Anthropologie ein und beschreibt physiologische Abläufe mit für die Zeit ungewöhnlicher Anschaulichkeit.
Der theologische Rahmen bleibt dabei deutlich: Begierde und Sexualität erscheinen als Teil des göttlichen Schöpfungswillens. In Scivias interpretiert Hildegard die männliche Sexualkraft als Zusammenspiel von Begierde (concupiscentia), Zeugungskraft (fortitudo) und zielgerichtetem Streben (studium), das im Willen Gottes verankert ist; die Sexualität des Menschen spiegelt für sie die schöpferische Liebeskraft Gottes wider.
In Causae et curae beschreibt Hildegard den Zeugungsakt als Zusammenwirken beider Geschlechter. Der männliche Samen wird als aus dem erhitzten Blut hervorgehende „Schaum“substanz charakterisiert, die im Körper wie eine in der Kochhitze aufschäumende Speise „gegart“ werde. Zeugung kommt nur zustande, wenn der Mann „mit einem anderen lebenden, fühlenden Geschöpf in Lust verbunden“ ist; erst durch die Mischung des männlichen Samens mit dem Blut der Frau werde aus beiden „ein Blut“, aus dem sich der Embryo bildet, so dass Mann und Frau im wörtlichen Sinn „ein Fleisch“ werden.
Auffallend ist die relativ gleichwertige Beteiligung beider Geschlechter an der Zeugung. Hildegard geht von einer – wenngleich selteneren – weiblichen Samenabgabe aus, die sich mit dem Menstruationsblut mischen und über die Monatsblutung auch wieder ausgeschieden werden könne, wenn keine Empfängnis eintritt. Zugleich unterscheidet sie die Lustempfindung der Geschlechter: Die männliche Lust vergleicht sie mit einem Schiff in schweren Wellen, das in einem heftigen Sturm kaum standhalten kann, die Lust der Frau dagegen mit einem sanften Wind, bei dem sich ein kleines Schiff mühsam, aber doch halten könne; ihre Lust sei als „sanfte, milde, aber dennoch beständige Wärme“ präsent. Die damit verbundene Beschreibung des weiblichen Lustempfindens – Hitzegefühl im Kopf, Kontraktion der Lenden und „Verschließen“ der zur Menstruation bereiten Glieder – ist in der neueren Literatur wiederholt als bemerkenswert frühe und in der lateinischen Medizintradition ungewöhnlich präzise Darstellung weiblicher sexueller Erregung bis hin zum Orgasmus hervorgehoben worden.
Die Beschreibungen verbinden solche Bilder mit detaillierten Beobachtungen zu Reifung des Samens, Altersgrenzen von Zeugungsfähigkeit und Risiken exzessiver oder fehlgeleiteter sexueller Betätigung. Hildegard unterscheidet zwischen reifer und unreifer Sexualität von Jugendlichen, diskutiert nächtliche Pollutionen und warnt sowohl vor asketischer Überforderung als auch vor hemmungslosem Ausleben der Libido.
Hildegards Einschätzungen der Sexualität stehen in einem weiteren Zusammenhang ihrer Auffassung von Weiblichkeit und Jungfräulichkeit. Bekannt ist ein Briefwechsel mit der Benediktinerin Tenxwind von Andernach, die an der Praxis Anstoß nahm, dass die Nonnen auf dem Rupertsberg zu Festgottesdiensten mit offenen Haaren, weißen Seidenkleidern, goldenen Kronen und Ringen geschmückt auftraten und darin eine Verletzung monastischer Schamhaftigkeit sah. Hildegard verteidigte diese Praxis mit dem Hinweis, dass das Schamhaftigkeitsgebot des Apostels Paulus sich auf Ehefrauen, nicht aber auf geweihte Jungfrauen beziehe, die als „im Heiligen Geist und in der Morgenröte der Jungfräulichkeit der Unschuld vermählt“ eine himmlische Schönheit verkörperten.
Musik
Die unter dem Namen Symphonia harmoniae caelestium revelationum („Symphonie der Harmonie der himmlischen Erscheinungen“) überlieferte Sammlung geistlicher Lieder der Hildegard von Bingen enthält 77 liturgische Gesänge mit Melodien in diastematischer Neumennotation sowie das in Text und musikalischer Notation erhaltene (liturgische Drama) Ordo virtutum, das in zwei Fassungen vorliegt – unneumiert in der Visionsschrift Scivias sowie neumiert im späteren sog. Rupertsberger Riesenkodex (Wiesbaden). Das Spektrum der Gesänge umfasst Antiphonen, Responsorien, Hymnen, Sequenzen, ein Kyrie, ein Alleluja sowie zwei Symphoniae. Hildegards Musik nimmt eine Sonderstellung in der Gregorianik ein; sie zeichnet sich durch weiträumige Tonumfänge und große Intervalle wie Quart- und Quintsprünge aus. Das liturgische Spiel Ordo virtutum bringt die visionäre Gedanken- und Bilderwelt Hildegards am reinsten zum Ausdruck. Der Musikologe Robert schrieb: „Der Ordo Virtutum steht für sich allein und ist beispiellos, eine einzigartige Schöpfung seiner Art.“
Hildegards Selbststilisierung als indocta oder illiterata wird heute häufig missverstanden. Gemeint ist eine Abgrenzung gegenüber einem neuen Konzept von Bildung. Ihre Haltung zur Schrift bezog sich dagegen auf das ältere monastische Handwerk der Gedächtniskunst, wobei sie vor allem an ein Genre aus dem 5. Jahrhundert anknüpfte:Prudentius’ Psychomachia – ein allegorischer Kampf zwischen den Tugenden und den Lastern, denen sie im Ordo virtutum („Spiel der Kräfte“ wie die Seele, die Tugenden, die Engel usw.) durch Gesänge eine musikalische Gestalt und eine Stimme gab – oft in einem ausgreifenden Ambitus, der die plagale und authentische Tonart umspannt. Solche Inszenierungen der Tugenden (virtutes) haben möglicherweise im Rahmen eines liturgischen Dramas die Kirche ihrer Abtei belebt.
Schriften
Hauptwerke:
- Liber Scivias (um 1150), erste visionäre Schrift („Wisse die Wege“)
- Liber vitae meritorum (1158–1163), zweite visionäre Schrift („Der Mensch in der Verantwortung“)
- Liber divinorum operum (1163–1174), dritte visionäre Schrift („Welt und Mensch“)
- Liber simplicis medicinae oder Physica (1151–1158), „Naturkunde“ in neun Büchern
- Liber compositae medicinae oder Causae et curae (1151–1158), „Heilkunde“ in sechs Büchern
- Symphoniae, 77 Gesänge und das Singspiel Ordo virtutum (ca. 1151/70)
- Epistulae (1147–1179), etwa 390 Briefe
Kleinere Werke
- Explenation quorumdam Evangeliorum (Auslegung einiger Evangelien)
- De Regula sancti Benedicti (Über die Regel des heiligen Benedikt)
- Explenatio Symboli sancti Athanasii (Auslegung des Athanasianischen Glaubensbekenntnisses)
- Solutiones triginta octo quaestionum (Antworten auf die 38 Fragen der Mönche von Villers)
- Vita sancti Disibodi (Das Leben des heiligen Disibod)
- Vita sancti Ruperti (Das Leben des heiligen Rupertus)
- Ignota lingua per simplicem hominem Hildegardem prolata, ein Glossar zu Hildegards Lingua ignota
Nachleben
Wirkungsstätten
Das Kloster Disibodenberg wurde infolge der Reformation aufgelöst und verfiel. Heute sind dort ausgedehnte Ruinen zu besichtigen.
Das Kloster Rupertsberg wurde während des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1632 von schwedischen Truppen zerstört. Die vertriebenen Ordensschwestern übersiedelten in das Kloster Eibingen. Die Ruinen wurden später überbaut. Heute befinden sich dort Reste von fünf Arkadenbögen der ehemaligen Klosterkirche. Gerhard Roese hat die Gestalt der Klosteranlage rekonstruiert und schuf ein Modell, das im „Historischen Museum am Strom“ in Bingen zu besichtigen ist. Der um das Kloster Rupertsberg entstandene Ort Bingerbrück gehört zu Bingen am Rhein.
Das Kloster Eibingen wurde 1803 im Zuge der Säkularisation aufgehoben und teilweise abgebrochen. Ein Flügel des Klosters ist erhalten. Die Klosterkirche wurde die Pfarrkirche St. Hildegard des Ortes Eibingen. Sie hat heute auch Bedeutung als Wallfahrtskirche, da sich dort der Schrein mit den Gebeinen Hildegards befindet.
Die oberhalb von Eibingen bestehende Abtei St. Hildegard ist eine Neugründung von 1904. Diese Abtei besitzt jedoch die Rechte der beiden Abteien Rupertsberg und Eibingen. Die Äbtissin von Rupertsberg und Eibingen steht dadurch in der Nachfolge der heiligen Hildegard. In der Klosterkirche befindet sich in Bogenfeldern auf der Nordseite des Mittelschiffs ein Freskenzyklus mit Szenen aus dem Leben der Hildegard im Stil der Beuroner Kunstschule.
Verehrung und Brauchtum
Heiligsprechung
Bereits zu Lebzeiten wurde Hildegard wie eine Heilige verehrt. 1228 wurde ein erster Antrag auf Heiligsprechung gestellt. Ein offizielles Heiligsprechungsverfahren wurde bereits von Papst Gregor IX. (1227–1241) durch eine von ihm veranlasste Untersuchung begonnen, aber nicht abgeschlossen. In einer original erhaltenen Urkunde aus dem Jahr 1233 bescheinigen drei Mainzer Kleriker, dass sie im Auftrag des Papstes Hildegards Lebenswandel, Ruf und Schriften mit positivem Ergebnis überprüft hätten; es werden auch zahlreiche Wunder an Hildegards Grab erwähnt. Aufgrund von Widerständen des bischöflichen Mainzer Domkapitels dauerte das Verfahren so lange an, dass selbst der letzte bekannte Versuch eines ordentlichen Kanonisationsverfahrens unter Papst Innozenz IV. im Jahre 1244 zu keinem Ergebnis führte. Der bischöfliche Widerstand scheint nicht in der Person Hildegards, sondern in der Kompetenzfrage für eine Kanonisation begründet gewesen zu sein, denn erst seit dem 12. Jahrhundert hatte Rom die Zuständigkeit für Heiligsprechungen an sich gezogen. Dafür spricht das aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts stammende Antependium der Rupertsberger Klosterkirche, auf dem Hildegard mit Heiligenschein und der Bischof von Mainz als sie verehrender Stifter abgebildet sind. Ohne dass heute der Abschluss eines damals auch nicht notwendigen Kanonisationsverfahren bekannt ist, erfolgte die Kanonisation (Aufnahme in den Kanon) Hildegards spätestens 1584 mit der Aufnahme in die Erstausgabe des Martyrologium Romanum (Verzeichnis der Heiligen der römisch-katholischen Kirche).
Die zu größeren Festlichkeiten oder Jubiläen der Heiligen übersendeten päpstlichen Bullen zeugen von der großen Bedeutung Hildegards; auch Joseph Ratzinger (der spätere Papst Benedikt XVI.) hat sich in seiner Zeit als Professor in Bonn (1959–1963) intensiv mit dem Leben und den Schriften Hildegards beschäftigt.
Am 10. Mai 2012 dehnte Papst Benedikt XVI. die Verehrung der hl. Hildegard auf die ganze Kirche aus und schrieb sie in das Verzeichnis der Heiligen ein. Am 27. Mai 2012 (Pfingstsonntag) gab er seine Entscheidung bekannt, Hildegard zur Kirchenlehrerin zu erheben. Am 7. Oktober 2012 folgte ihre feierliche Erhebung zur Kirchenlehrerin; zugleich wurde Johannes von Avila zum Kirchenlehrer erhoben.
Gedenktag
Ihr Gedenktag in der Liturgie der katholischen Kirche sowie in den Heiligen- und Namenskalendern der anglikanischen Kirche, der evangelischen Kirche in Deutschland und der evangelisch-lutherischen Kirche in Amerika ist der 17. September. In einigen katholischen Diözesen Deutschlands ist der Gedenktag ein Fest. Papst Franziskus nahm ihren Gedenktag am 2. Februar 2021 in den Römischen Generalkalender auf.
Reliquien
Die Reliquien der hl. Hildegard befanden sich bis 1631 im Kloster Rupertsberg bei Bingen. Im Dreißigjährigen Krieg wurden sie von der Äbtissin Anna Lerch von Dirmstein vor der Vernichtung gerettet, und seit 1641 befinden sie sich in der Kirche des alten Klosters Eibingen. Der Reliquienschrein befindet sich im Altarraum des alten Klosters, der heutigen Pfarrkirche von Eibingen.
Hildegard hat als eine der bedeutendsten Frauen des Mittelalters eine große Anzahl von Reliquien geschenkt bekommen und zusammengetragen. Diese als Eibinger Reliquienschatz bezeichneten Reliquien befinden sich, wie der Hildegardisschrein selbst, in der Pfarrkirche St. Hildegard und St. Johannes d. T. in Eibingen. Der Reliquienschatz wird in dem südlichen Teil des Hauptschiffes in einem gläsernen Altar aufbewahrt. Auch er wurde 1631/1632 von der Rupertsberger Äbtissin Anna Lerch von Dirmstein vor der Vernichtung durch die Schweden bewahrt.
Hildegardisfest in Eibingen
Alljährlich am 17. September, dem Gedenktag der hl. Hildegard, wird in der Abtei St. Hildegard und im Rüdesheimer Stadtteil Eibingen das Hildegardisfest als Hochfest gefeiert. Traditionell findet morgens ein Pontifikalamt und mittags eine Reliquienprozession statt, deren Begründer 1857 Pfarrer Ludwig Schneider war. Der Reliquienschrein ist an diesem Tag für die Gläubigen zugänglich; die Tür an der Vorderseite des Schreines wird ausschließlich an diesem Tag geöffnet. Das Fest schließt mit der Vesper.
Bruderschaft der Schreinträger zu Eibingen
Die seit dem Jahr 1929 tätigen Schreinträger des Reliquienschreines der hl. Hildegard gründeten am 30. Dezember 2020 eine Bruderschaft, die den Tragedienst des Schreines und die Ehrenwache zu den Feierlichkeiten in Eibingen bereitstellt. Die Bruderschaft zu Ehren der hl. Hildegard wurde am Vorabend des Jahrestages der Heiligsprechung zum 10. Mai 2021 in der Wallfahrtskirche zu Eibingen vorgestellt. Die Fahnenweihe erfolgte im Festgottesdienst zum Patronatsfest am 26. Juni 2022.
Namensgeberin
Zahlreiche Kirchen sind der heiligen Hildegard von Bingen geweiht, siehe Hildegardkirche.
Eine Reihe von Schulen wurden nach ihr benannt: das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium in Köln-Sülz, das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium Twistringen (Niedersachsen), das Hildegardisgymnasium Bochum, das Hildegardisgymnasium Duisburg, die Hildegardis-Schule Hagen sowie die Hildegardisschule Bingen am Rhein (Gymnasium und Berufsbildende Schule), die Hildegardisschule Münster und die Hildegardisschule in Rüdesheim am Rhein (Realschule).
Die Pflanzengattung Hildegardia Schott & Endl. aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) ist nach ihr benannt.
Seit 1995 wird jährlich von der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz der Hildegard-von-Bingen-Preis für Publizistik verliehen.
2016 wurde von der IAU der Mondkrater Hildegard nach ihr benannt.
Seit dem Sommer 2020 trägt ein Hörsaal des Departements Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften den Namen Hildegard von Bingen.
Sonstige Würdigungen
Eine Gedenktafel für sie fand Aufnahme in die Walhalla bei Regensburg.
Das Historische Museum am Strom in Bingen würdigt Hildegard mit einer Dauerausstellung und Sonderausstellungen.
Der 137 Kilometer lange Hildegard-von-Bingen-Pilgerwanderweg verläuft entlang ihrer Lebensstationen und erinnert mit Hinweistafeln an ihr Leben und Werk.
Reith im Alpbachtal in Tirol hat einen Naturgarten mit Kräutern und Gewächsen nach Hildegard von Bingen angelegt („Hildegard Garten“) und einen Rundwanderweg namens „Hildegard Natur Weg“ eingerichtet.
Forschungsgeschichte
Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Hildegard setzte im 19. Jahrhundert vor allem im Umfeld der Philologie, Kirchengeschichte und Medizingeschichte ein. Philologen wie Wilhelm Grimm nahmen ihre Werke im Rahmen der Erforschung der mittelalterlichen deutschen Sprache wahr und suchten in den Bibliotheken nach bislang nicht beachteten Handschriften wie der Botaniker Carl Jessen. Einen wichtigen Schritt bildete die Edition der naturkundlichen Physica durch Charles Daremberg und Friedrich Anton Reuß im Rahmen der von Jacques-Paul Migne herausgegebenen Patrologia Latina. Parallel veröffentlichte der Kardinal Jean-Baptiste Pitra weitere Hildegard-Texte aus den Handschriftenüberlieferungen der Natur- und Heilkunde.
Im 20. Jahrhundert wurde Hildegards naturkundlich-medizinisches Werk verstärkt als Quelle der Medizingeschichte rezipiert. Der Botaniker und Medizinhistoriker Hermann Fischer und der Jesuit und Biologe Erich Wasmann trugen zu der damals verbreiteten Deutung Hildegards als „Naturforscherin“ bei. Später stellten Medizinhistoriker wie Heinrich Schipperges und Irmgard Müller die natur- und heilkundlichen Schriften systematisch in den Kontext hochmittelalterlicher Kosmologie, Anthropologie und Klostermedizin. Parallel dazu analysierten Literatur- und Philosophiehistoriker wie Peter Dronke Hildegards Visionstrilogie und ihre Briefe im Rahmen der lateinischen und volkssprachigen Literatur des 12. Jahrhunderts.
Seit dem ausgehenden 20. Jahrhundert dominiert eine stärker quellenkritische und editionswissenschaftliche Forschung. Die Überlieferungs- und Editionsgeschichte der Natur- und Heilkunde wurde unter anderem durch Michael Embach sowie durch die kritischen Editionen von Causae et curae und Physica sowie zahlreiche Studien von Laurence Moulinier und Reiner Hildebrandt neu erschlossen. Theologen, Philosophie- und Kirchengeschichtler wie Rainer Berndt und Maura Zátonyi haben Hildegards Theologie, Anthropologie und Spiritualität in Sammelbänden und Monografien aufgearbeitet und dabei insbesondere die Visionstrilogie, den Briefwechsel und die kleineren Schriften als zusammenhängendes theologisches Programm interpretiert.
Eine besondere Rolle in der Hildegard-Forschung spielt die Abtei St. Hildegard, in der seit dem frühen 20. Jahrhundert mehrere Generationen von Ordensfrauen wissenschaftlich zu Hildegards Leben und Werk gearbeitet haben. Zu den wichtigsten dort wirkenden Forscherinnen zählen Maura Böckeler, Marianna Schrader, Adelgundis Führkötter, Angela Carlevaris, Philippa Rath und Maura Zátonyi, die durch Biographien, Übersetzungen und kritische Editionen (unter anderem von Scivias, dem Liber vitae meritorum und dem Briefwerk) die Grundlage für die heutige Hildegard-Philologie wesentlich mitgeprägt haben.
Um diese Tradition zu bündeln und zugleich international anschlussfähig zu machen, wurde 2018 an der Abtei die St. Hildegard-Akademie Eibingen gegründet, ein eingetragener Verein, der als Zentrum für Wissenschaft, Forschung und europäische Spiritualität fungiert. Die Akademie knüpft an die Arbeiten der genannten Forscherinnen an und koordiniert heute Tagungen, Editionen und Forschungsprojekte zu Hildegard von Bingen, ihrem geistigen Umfeld und ihrer Wirkungsgeschichte.
Rezeption in der Musik
Im Februar 1982 wurde vom Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) ein Kolloquium über die Musik der Hildegard von Bingen veranstaltet, woraufhin im Mai 1982 das Ensemble für Musik des Mittelalters „Sequentia“ unter der Leitung von Barbara Thornton (1950–1998) und Benjamin Bagby das Mysterienspiel Ordo virtutum („Reigen der Tugendkräfte“, „Spiel der Kräfte“) in der romanischen Kirche Groß St. Martin zu Köln auf die Bühne brachte. Diese Produktion wurde am Heiligen Abend 1982 im deutschen Fernsehen ausgestrahlt. Im selben Jahr erschien auch die Einspielung auf Tonträger als Doppel-LP Ordo virtutum (Aufnahmeort: Klosterkirche Knechtsteden). Das Konzept stammte von Barbara Thornton. Als Schauspieler wirkten Carmen-Renate Köper als Hildegard und William Mockridge als Diabolus mit.
Zum 900. Geburtstag der hl. Hildegard (1998) wurde der Ordo virtutum von „Sequentia“ nach Barbara Thorntons neugestaltetem Entwurf mit Franz-Josef Heumannskämper als Diabolus und Regisseur neu eingespielt. Die Produktion kam beim Lincoln Center Summer Festival, in der Royal Albert Hall in London, in der Kirche Notre Dame de Paris und beim Melbourne Festival zur Aufführung.
Folgende jüngere Kompositionen beziehen sich direkt auf Hildegard von Bingen, ihre Musik oder ihre Texte:
- Claus Kühnl: Lausche den Winden, erste panharmonische Komposition für Klarinette, Violoncello, Euphonium (Posaune) und Flügel (mit Zusatzinstrumenten) 1990 – mit dem Zitat „vos flores rosarum“. UA: 1992 Hessisches Staatstheater Wiesbaden (Quartett Avance). 1995 Produktion des Hessischen Rundfunks (Mutare Ensemble).Verlag: edition gravis, Berlin.
- Sofia Asgatowna Gubaidulina: Aus den Visionen der Hildegard von Bingen, für Contraalt Solo, nach einem Text von Hildegard von Bingen, 1994.
- Peter Janssens: Hildegard von Bingen, ein Singspiel in 10 Bildern, Text: Jutta Richter, 1997.
- Tilo Medek: Monatsbilder (nach Hildegard von Bingen), zwölf Gesänge für Mezzosopran, Klarinette und Klavier, 1997. (Textfassung vom Komponisten)
- David Lynch mit Jocelyn Montgomery: Lux Vivens (Living Light): The Music of Hildegard Von Bingen, 1998.
- Alois Albrecht: Hildegard von Bingen, ein geistliches Spiel mit Texten und Musik von Hildegard von Bingen, 1998.
- Wolfgang Sauseng: De visione secunda für Doppelchor und Schlaginstrumente, 2011 (UA am 19. Juni 2011 in Graz im Rahmen des Symposiums Philipp Harnoncourt, durch Arnold Schoenberg Chor Wien und studio percussion graz).
- Pilo: Ich sah die Welt als EINS, ein Hildegard-Musical (2008 auf CD).
- Ludger Stühlmeyer: O splendidissima gemma, für Alt Solo und Orgel, Text von Hildegard von Bingen. Auftragskomposition anlässlich der Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin 2012. (UA am 24. Juli 2012 in Hof (Saale))
- Devendra Banhart: Für Hildegard von Bingen, 2013.
- Harald Feller: 2 Geistliche Gesänge nach Hildegard von Bingen: O factura dei, O gloriosissimi.
Der Name des Würzburger Neo-Krautrock-Duos Hildegard von Binge Drinking (Wortspiel mit binge drinking für Rauschtrinken) spielt auf Bingen an.
Bühne und Hörspiele
1998 brachte die Berliner Autorin, Schauspielerin und Regisseurin Nadja Reichardt das Leben der Hildegard von Bingen unter dem Titel Eine Schwalbe im Krieg auf die Theaterbühne. Seit der Premiere 1998 wird das Ein-Personen-Stück jährlich aufgeführt. Eine Hörspiel-Version gibt es ebenfalls.
Der Autor und Regisseur Rüdiger Heins schrieb und inszenierte auf der Grundlage von Hildegards Texten 2010 ein Theaterstück. In Vision der Liebe beschäftigt er sich mit den Visionen Hildegards. Aktuelle Themen wie Umweltverschmutzung, Kriege und Integrationsfragen werden auf dem Hintergrund ihrer Schriften in die heutige Zeit übertragen. Die Uraufführung fand am 10. Dezember 2010 in Bingen statt. Das Stück ist als Art in Process konzipiert, das heißt, es soll sich im Laufe der Jahre ständig verändern.
Die Mediävistin Hildegard Elisabeth Keller integrierte Hildegard als eine von vier weiblichen Hauptfiguren in den dritten Band ihrer Trilogie des Zeitlosen (2011). In dem beigefügten Hörspiel auf CD unterhält sich Hildegard mit drei anderen Autorinnen in einer fiktiven Begegnung außerhalb der Zeit.
Filme
Die Regisseurin Margarethe von Trotta verfilmte im Jahr 2008 das Leben der Hildegard von Bingen mit dem Titel Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (Produzent: Markus Zimmer). Hildegard wird dabei von der Schauspielerin Barbara Sukowa verkörpert. Der Concorde Filmverleih brachte den Film am 24. September 2009 in die deutschen Kinos.
In der TV-Dokumentarreihe „Die Deutschen“ des ZDF erschien 2010 die Folge „Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen“.
Werkausgaben
- Aktuelle deutsche Gesamtausgabe der Werke Hildegards in 10 Bänden, herausgegeben von der Abtei St. Hildegard (2010/16):
- Band 1: Wisse die Wege. Liber Scivias. Übersetzung: Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2010, ISBN 978-3-87071-215-0.
- Band 2: Ursprung und Behandlung der Krankheiten. Causae et Curae. Übersetzung: Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2011, ISBN 978-3-87071-248-8.
- Band 3: Das Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Vita sanctae Hildegardis. Übersetzung: Monika Klaes-Hachmüller. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2013, ISBN 978-3-87071-262-4.
- Band 4: Lieder. Symphoniae. Übersetzung: Barbara Stühlmeyer. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2012, ISBN 978-3-87071-263-1.
- Band 5: Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Dinge. Physica. Übersetzung: Ortrun Riha. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2012, ISBN 978-3-87071-271-6.
- Band 6: Das Buch vom Wirken Gottes. Liber divinorum operum. Übersetzung: Mechthild Heieck. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2012, ISBN 978-3-87071-272-3.
- Band 7: Das Buch der Lebensverdienste. Liber Vitae Meritorum. Übersetzung: Maura Zátonyi. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2014, ISBN 978-3-87071-314-0.
- Band 8: Briefe. Epistolae. Übersetzung: Walburga Storch. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2012, ISBN 978-3-87071-285-3.
- Band 9: Katechesen – Kommentare – Lebensbilder. Opera Minora. Übersetzung: Pius Engelbert, Maura Zátonyi, Viki Ranff, Michael Embach, Paul Dräger, Gottfried Kneib, Eva Schulz-Flügel. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2015, ISBN 978-3-87071-327-0.
- Band 10: Prophetisches Vermächtnis. Testamentum Propheticum. Übersetzung: Maura Zatonyi. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2016, ISBN 978-3-87071-338-6.
- Lateinische Editionen im Corpus Christianorum:
- Adelgundis Führkötter, Angela Carlevaris: Scivias I-II. Brepols, 1978, ISBN 978-2-503-03431-7.
- Adelgundis Führkötter, Angela Carlevaris: Scivias III. Brepols, 1978, ISBN 978-2-503-03433-1.
- Taschenbuchausgabe: Brepols, 2003, ISBN 978-2-503-51475-8.
- L. van Acker: Epistolarium I. Brepols, 1991, ISBN 978-2-503-03911-4.
- L. van Acker: Epistolarium II. Brepols, 1993, ISBN 978-2-503-03913-8.
- Monika Klaes: Vita sanctae Hildegardis. Brepols, 1993, ISBN 978-2-503-04261-9.
- Taschenbuchausgabe: Brepols, 1993, ISBN 978-2-503-64262-8.
- Angela Carlevaris: Liber vite meritorum. Brepols, 1995, ISBN 978-2-503-03901-5.
- A. Derolez, Peter Dronke: Liber divinorum operum. Brepols, 1996, ISBN 978-2-503-03921-3.
- Monika Klaes: Epistolarium III. Brepols, 2001, ISBN 978-2-503-03915-2.
- Hugh Feiss, Christopher Evans, Beverly Mayne Kienzle, Carolyn Muessig, Barbara Newman, Peter Dronke: Opera minora. Brepols, 2007, ISBN 978-2-503-05261-8.
- De regula sancti Benedicti.
- Explanatio Symboli sancti Athanasii.
- Expositiones Evangeliorum.
- Ordo virtutum.
- Symphonia harmoniae caelestium revelationum.
- Christopher P. Evans, Jeroen Deploige, Sara Moens, Michael Embach, Kurt Gärtner: Opera minora II. Brepols, 2016, ISBN 978-2-503-54837-1.
- Vita sancti Disibodi episcopi.
- Vita sancti Ruperti confessoris.
- Triginta octo quaestionum solutiones.
- Lingua ignota. Litterae ignotae.
- De excellentia sancti Martini (visio a Guiberto Gemblacensi exarata).
- Visio ad Guibertum missa (a Guiberto Gemblacensi exarata).
- Weitere wichtige Editionen (nach):
- Jacques-Paul Migne: Opera omnia. (Patrologia Latina 197), Paris 1855.
- Jean-Baptiste Pitra: Analecta Sanctae Hildegardis opera parata. Monte Cassino 1882.
- Laurence Moulinier: Beate Hildegardis cause et cure. Akademie Verlag, Berlin 2003, ISBN 978-3-05-003495-9.
- Irmgard Müller, Christian Schulze: Physica. Edition der Florentiner Handschrift (Cod. Laur. Ashb. 1323, ca. 1300) im Vergleich mit der Textkonstitution der Patrologia Latina (Migne). Georg Olms, 2008, ISBN 978-3-487-13846-6.
- Reiner Hildebrandt, Thomas Gloning: Physica. Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum. De Gruyter, 2010, ISBN 978-3-11-021590-8.
- Band 3: Kommentiertes Register der deutschen Wörter. De Gruyter, 2014, ISBN 978-3-11-035326-6.
- José Luis Narvaja: Testamentum propheticum. Aschendorff, Münster 2014, ISBN 978-3-402-10439-2.
Literatur (Auswahl)
Sekundärliteratur
- Nachschlagewerke und Lexikonartikel
- Friedrich Wilhelm Bautz: Hildegard von Bingen. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 846–851.
- Antonius van der Linde: Hildegard von Bingen. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 12, Duncker & Humblot, Leipzig 1880, S. 407 f.
- Heinrich Schipperges: Hildegard von Bingen. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 9. Duncker & Humblot, Berlin 1972, ISBN 3-428-00190-7, S. 131–133 (deutsche-biographie.de).
- Allgemeine Darstellungen und Biographien
- Änne Bäumer-Schleinkofer: Hildegard von Bingen in ihrem Umfeld: eine Monographie zu ihrem 900. Geburtstag. Würzburg: Religion-und-Kultur-Verlag 2001.
- Barbara Beuys: Denn ich bin krank vor Liebe. Das Leben der Hildegard von Bingen. Piper, München, ISBN 3-492-23649-9.
- Christine Büchner: Hildegard von Bingen. Eine Lebensgeschichte. Insel-Verlag, Frankfurt am Main / Leipzig 2009, ISBN 978-3-458-35069-9.
- Michaela Diers: Hildegard von Bingen. 5. Auflage. Dtv, München 2005, ISBN 3-423-31008-1.
- Adelgundis Führkötter: Hildegard von Bingen. Salzburg 1972.
- Helene M. Kastinger Riley: Hildegard von Bingen. Rowohlt, Reinbek 1997; 4. Auflage ebenda 2011, ISBN 978-3-499-50469-3.
- Hermann Multhaupt: Hildegard von Bingen – in seinem Licht. Romanbiografie. St. Benno-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-7462-3737-4.
- Barbara Newman: Hildegard von Bingen, Schwester der Weisheit. Verlag Herder, Freiburg u. a. 1997, ISBN 3-451-23675-3.
- Régine Pernoud: Hildegard von Bingen. Ihre Welt, Ihr Wirken, Ihre Vision. 2. Auflage. Herder, Freiburg u. a. 1997, ISBN 3-451-23677-X.
- Thomas Schäfer: Visionen. Leben, Werk und Musik der Hildegard von Bingen. Droemer, München 1996.
- Heinrich Schipperges: Hildegard von Bingen. 2. Auflage. Olten 1979.
- Christian Sperber: Hildegard von Bingen. Eine widerständige Frau. Aichach 2003, ISBN 3-929303-25-6.
- Barbara Stühlmeyer: Hildegard von Bingen. Leben – Werk – Verehrung. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2014, ISBN 978-3-8367-0868-5.
- Josef Sudbrack: Hildegard von Bingen: Schau der kosmischen Ganzheit. Echter, Würzburg 1995, ISBN 3-429-01696-7.
- Sammelbände, Festschriften und Kongresse
- Jennifer Bain (Hrsg.): The Cambridge Companion to Hildegard of Bingen (= Cambridge Companions to Literature). Cambridge University Press, Cambridge 2021.
- Anton Ph. Brück (Hrsg.): Hildegard von Bingen 1179–1979. Festschrift zum 800. Todestag der Heiligen. Mainz 1979 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. Band 33).
- Edeltraud Forster u. a. (Hrsg.): Hildegard von Bingen. Prophetin durch die Zeiten. Zum 900. Geburtstag. Herder, Freiburg u. a. 1997; 2. Auflage ebenda 1998, ISBN 3-451-26162-6.
- Alfred Haverkamp (Hrsg.): Hildegard von Bingen in ihrem historischen Umfeld. Internationaler wissenschaftlicher Kongress zum 900-jährigen Jubiläum. 13. bis 19. September 1998. Bingen am Rhein. Mainz 2000.
- Beverly Mayne Kienzle, Debra L. Stoudt, George Ferzoco (Hrsg.): A Companion to Hildegard of Bingen (= Brill's Companions to the Christian Tradition, Band 45). Brill, Leiden/Boston 2014.
- Maud Burnett McInerney (Hrsg.): Hildegard of Bingen. A Book of Essays (= Garland Medieval Casebooks, 20). Garland, New York 1998.
- Barbara Newman (Hrsg.): Voice of the Living Light. Hildegard of Bingen and Her World. University of California Press, Berkeley u. a. 1998.
- Schriften, Überlieferung, Edition, Philologie
- Marc-Aeilko Aris, Michael Embach, Werner Lauter u. a. (Hrsg.): Hildegard von Bingen. Internationale wissenschaftliche Bibliographie unter Verwendung der Hildegard-Bibliographie von Werner Lauter. Gesellschaft für Mittelrheinische Kirchengeschichte, Mainz 1998 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte, Bd. 84).
- Tilo Altenburg: Soziale Ordnungsvorstellungen bei Hildegard von Bingen. Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7772-0711-7.
- Michael Embach: Die Schriften Hildegards von Bingen. Studien zu ihrer Überlieferung und Rezeption im Mittelalter und in der frühen Neuzeit (= Erudiri Sapientia. Band 4). Akademie, Berlin 2003, ISBN 3-05-003666-4.
- Michael Embach, Martina Wallner: Conspectus der Handschriften Hildegards von Bingen. Aschendorff, Münster 2013.
- Josef Heinzelmann: Hildegard von Bingen und ihre Verwandten. Genealogische Anmerkungen. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 23, 1997, S. 7–88.
- Monika Klaes (Hrsg.): Vita sanctae Hildegardis. Leben der heiligen Hildegard von Bingen. Canonizatio Sanctae Hildegardis. Kanonisation der heiligen Hildegard (= Fontes Christiani. Band 29). Herder, Freiburg u. a. 1998, ISBN 3-451-23376-2.
- Christel Meier: Hildegard von Bingen. In: Verfasserlexikon. 2. Auflage. Band 3, 1981, Spalten 1257–1280.
- Marianna Schrader, Adelgundis Führkötter: Die Echtheit des Schrifttums der Heiligen Hildegard von Bingen. Köln/Graz 1956.
- Maura Zátonyi: An die grauen Mönche. Die Beziehung Hildegards von Bingen zu den Zisterziensern im Spiegel ihrer Briefsammlungen. In: CiStC 130 (2023), ISSN 0379-8291, S. 439–457.
- Medizin, Naturkunde und Klostermedizin
- Gerhard Baader: Naturwissenschaft und Medizin im 12. Jahrhundert und Hildegard von Bingen. In: Archiv für mittelrheinische Kirchengeschichte. Band 31, 1979, S. 33–54.
- Klaus-Dietrich Fischer: Hildegard von Bingen. Kranke und Heilerin. In: Das Mittelalter, 10 (2005), Heft 1, S. 20–34.
- Johannes Gottfried Mayer, Tobias Niedenthal: Hildegard – ein Mythos? In: Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift. Band 13, 2018.
- Peter Riethe: Hildegard von Bingen. Eine aufschlussreiche Begegnung mit ihrem naturkundlich-medizinischen Schrifttum. Tectum Verlag, Marburg 2011, ISBN 978-3-8288-2553-6.
- Victoria Sweet: Rooted in the Earth, Rooted in the Sky: Hildegard of Bingen and Premodern Medicine. Routledge, New York 2006, ISBN 0-415-97634-0.
- Theologie, Mystik, Spiritualität
- Hildegard Gosebrink: Maria in der Theologie Hildegards von Bingen (= Studien zur systematischen und spirituellen Theologie, Band 29). Echter, Würzburg 2004, ISBN 3-429-02292-4.
- Hildegard Elisabeth Keller: Der Ozean im Fingerhut. Hildegard von Bingen, Mechthild von Magdeburg, Hadewijch und Etty Hillesum im Gespräch. Mit Beiträgen von Daniel Hell und Jeffrey F. Hamburger. Zürich 2011 (= Trilogie des Zeitlosen. Band 3), ISBN 978-3-7281-3437-0.
- Ingrid Riedel: Hildegard von Bingen. Prophetin der kosmischen Weisheit. Kreuz Verlag Stuttgart 1994. ISBN 978-3-7831-1306-8.
- Hartmut Sommer: Die wahre Schau – die Klöster der Hildegard von Bingen an Rhein und Nahe. In: Die großen Mystiker. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2008, ISBN 978-3-534-20098-6.
- Berthe Widmer: Heilsordnung und Zeitgeschehen in der Mystik Hildegards von Bingen (= Basler Beiträge zur Geschichtswissenschaft. Band 52). Helbing & Lichtenhahn, Basel/Stuttgart 1955 (zugleich Dissertation, Universität Basel, 1953).
- Musik, Dichtung und Bildkunst
- Maura Böckeler: Der heiligen Hildegard von Bingen Reigen der Tugenden Ordo Virtutum. Ein Singspiel. Musik von Prudentiana Barth. Sankt Augustinus, Berlin 1927.
- Katrin Graf: Hildegard von Bingen. In: Bildnisse schreibender Frauen im Mittelalter. 9 bis Anfang 13. Jahrhundert. Schwabe, Basel 2002, S. 92–122.
- Hiltrud Gutjahr, Maura Zátonyi: Geschaut im lebendigen Licht. Die Miniaturen des Liber Scivias der Hildegard von Bingen. Erklärt und gedeutet. Mit einer kunsthistorischen Einführung von Lieselotte Saurma-Jeltsch. Hrsg. von der Abtei St. Hildegard, Rüdesheim/Eibingen, Beuroner Kunstverlag, Beuron 2011, ISBN 978-3-87071-249-5.
- Marianne Richert Pfau: Hildegard von Bingen's Symphonia: An Analysis of Musical Process, Modality, and Text-Music Relations. Dissertation, Stony Brook University, 1990.
- Marianne Richert Pfau, Stefan J. Morent: Hildegard von Bingen: Der Klang des Himmels. In: Annette Kreutziger-Herr, Melanie Unseld (Hrsg.): Europäische Komponistinnen. Band 1. Böhlau, Köln 2005, enthält CD Ordo Virtutum – Fassung nach Scivias (Ensemble für Musik des Mittelalters, Leitung Stefan Morent), ISBN 3-412-11504-5.
- Sara Salvadori: Das Geheimnis der Bilder: Hildegard von Bingen und ihre Visionen. WBG, Darmstadt 2021, ISBN 978-3-534-27339-3.
- Barbara Stühlmeyer: Die Kompositionen der Hildegard von Bingen. Ein Forschungsbericht (= Beiträge zur Gregorianik. Band 22). ConBrio Verlagsgesellschaft, Regensburg 1996, ISBN 3-930079-23-2, S. 74–85.
- Barbara Stühlmeyer: Musik im 12. Jahrhundert. In: Hans-Jürgen Kotzur: Hildegard von Bingen 1098–1179. von Zabern, Mainz 1998, ISBN 3-8053-2445-6, S. 178–181.
- Barbara Stühlmeyer: Die Gesänge der Hildegard von Bingen. Eine musikologische, theologische und kulturhistorische Untersuchung. Olms, Hildesheim 2003, ISBN 3-487-11845-9.
- Umfeld, Geschichte, Rezeption
- Alfred Haverkamp: Tenxwind von Andernach und Hildegard von Bingen. Zwei ‚Weltanschauungen‘ in der Mitte des 12. Jahrhunderts, in: Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift für Josef Fleckstein zu seinem 65. Geburtstag, Sigmaringen 1984, S. 515–548.
- Gundolf Keil: Hildegard-von-Bingen-Rezeption. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 595 f.
- Ursula Koch: Die Meisterin vom Rupertsberg: Hildegard von Bingen – eine Botin der Liebe. Historischer Roman. 2009, ISBN 978-3-7655-1712-9.
- Mirja Kutzer: Projektionsfläche Hildegard. In: Herder Korrespondenz Nr. 6/2012 (kobra.uni-kassel.de; PDF; 136 kB).
- Hermann Multhaupt: Hildegard von Bingen – in seinem Licht. Romanbiografie. St. Benno-Verlag, Leipzig 2013, ISBN 978-3-7462-3737-4.
- Hermann Josef Roth: Missverstandene Klostermedizin. In: Spektrum der Wissenschaft. März 2006, S. 84–91.
- Barbara Stühlmeyer: Die musikalische Kirchenlehrerin. Zur Heiligsprechung Hildegards von Bingen. In: Musica sacra. 2011, Nr. 5, ISSN 0179-356X, S. 298.
- Barbara Stühlmeyer: Die unbequeme Lehrerin oder: warum Hildegard von Bingen so spät heilig wurde. In: Karfunkel. Band 96, Oktober/November 2011, S. 27–31.
- Barbara Stühlmeyer: Pendel, Steine, Nervenkekse: Esoterik im Gespräch mit Hildegard von Bingen. Butzon & Bercker, Kevelaer 2019, ISBN 978-3-7666-2601-1.
Ausgewählte Einspielungen
- A Feather on the Breath of God – Sequences and Hymns by Abbess Hildegard of Bingen. Gothic Voices, Ltg. Christopher Page, mit Emma Kirkby. Hyperion, London 1982.
- Hildegard von Bingen – Ordo virtutum / Spiel der Kräfte. Sequentia, Ltg. Barbara Thornton, Benjamin Bagby. Deutsche Harmonia Mundi, 1982.
- Hildegard von Bingen – O vis aeternitatis. Vesper in der Abtei St. Hildegard. Schola der Benediktinerinnenabtei St. Hildegard, Eibingen, Ltg. Johannes Berchmans Göschl, Sr. Christiane Rath OSB. Ars Musici, Freiburg 1997.
- The Complete Hildegard von Bingen (Vol. 1–3: Symphony of the Harmony of Celestial Revelations, Aurora, O nobilissima viriditas). Sinfonye, Ltg. Stevie Wishart. Celestial Harmonies, 1996–2004.
- Hildegard von Bingen – Inspiration. Ensemble VocaMe, Ltg. Michael Popp. Berlin Classics, 2012.
- Hildegard von Bingen – The Complete Edition. Sequentia, Ltg. Barbara Thornton, Benjamin Bagby. Sony Classical, 2017.
Film
- Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen. deutsch-französischer Historienfilm von Margarethe von Trotta, D/F 2009.
Dokumentationen
- Die Deutschen II – Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen. TV-Dokumentation, D 2010 für ZDF (permanent abrufbar auf youtube.com).
Anmerkungen
- Vgl. auch Dekret zur Heiligsprechung Hildegards von Bingen – BENEDIKTINERINNENABTEI ST. HILDEGARD. Abgerufen am 12. März 2023 (deutsch).
- Vgl. auch Apostolisches Schreiben zur Erhebung Hildegards von Bingen zur Kirchenlehrerin (7. Oktober 2012) | BENEDIKT XVI. Abgerufen am 12. März 2023.
- Marianna Schrader, Adelgundis Führkötter: Die Herkunft der Heiligen Hildegard. In: Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. Band 43, 2. Auflage. Mainz 1981, S. 14 und 18.
- Josef Heinzelmann: Hildegard von Bingen und ihre Verwandtschaft. In: Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz (Hrsg.): Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte (= Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Band 1997, Nr. 23). Band 23, Nr. 1. Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, 1997, ISSN 0170-2025.
- Dagmar Heller: Hildegard von Bingen. (1098–1179). In: Helmut Burkhardt und Uwe Swarat (Hrsg.): Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde. Band 2. R. Brockhaus Verlag, Wuppertal 1993, ISBN 3-417-24642-3, S. 907.
- Klaes 1998, S. 125.
- Heinrich Schipperges: Die Welt der Hildegard von Bingen. Leben, Wirken, Botschaft. HOHE, Erftstadt 2007, ISBN 978-3-86756-073-3, S. 36.
- Jahreszahl nach Juttas Vita (Franz Staab: Reform und Reformgruppen im Erzbistum Mainz. Vom ‚Libellus de Willigisi consuetudinibus‘ zur ‚Vita domnae Juttae inclusae‘. In: Reformidee und Reformpolitik im spätsalisch-frühstaufischen Reich, Hg. Stefan Weinfurter unter Mitarbeit von Hubertus Seibert, Mainz 1992 (= Quellen und Abhandlungen zur mittelrheinischen Kirchengeschichte. Band 68)). Dagegen berichtet Hildegards Vita, sie sei im Alter von acht Jahren auf dem Disibodenberg eingeschlossen worden. (Monika Klaes (Hrsg.): Vita Sanctae Hildegardis. (Corpus Christianorum, Continuatio mediaevalis 126). Brepols, Turnholti 1993., ISBN 2-503-04261-9, I, 1, S. 6)
- Alfred Haverkamp: Hildegard von Disibodenberg-Bingen. Von der Peripherie zum Zentrum. In: Alfred Haverkamp (Hrsg.): Hildegard von Bingen in ihrem historischen Umfeld. Internationaler wissenschaftlicher Kongress zum 900-jährigen Jubiläum. 13. bis 19. September 1998. Bingen am Rhein. Mainz 2000. Anm. 5 und 73
- Klaes 1998, S. 14.
- Hildegard von Bingen: Im Feuer der Taube: die Briefe. Übers. und hrsg. von Walburga Storch. Pattloch, Augsburg 1997, ISBN 3-629-00885-2, S. 21; vgl. die Interpretation des Briefwechsels bei Christian Sperber, Hildegard von Bingen. Eine widerständige Frau, Aichach 2003, S. 92–115.
- Michael Embach: Die Schriften Hildegards von Bingen: Studien zu ihrer Überlieferung und Rezeption im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Habilitation Universität Trier, Berlin 2003.
- Michael Zöller: Gott weist seinem Volk seine Wege. Die theologische Konzeption des Liber Scivias der Hildegard von Bingen (1098–1179). Tübingen 1997 (= Tübinger Studien zur Theologie und Philosophie, 11).
- Ute Mauch: Hildegard von Bingen und ihre Abhandlungen zum dreieinen Gott im Liber Scivias (Visio II, 2). Ein Beitrag zum Übergang vom sprechenden Bild zu Wort, Schrift und Bild. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23, 2004, S. 146–158.
- Oliver Sacks: Migraine: Understanding a Common Disorder. Berkeley, 1985, S. 106–108; Ines Perl: Der Migräne-Aura auf der Spur, Uni Magdeburg, Januar 2001
- Meisner / Kieser: Thesaurus philopoliticus oder Politisches Schatzkästlein, Faksimile-Neudruck mit Einleitung und Register von Klaus Eymann, Verlag Walter Uhl, Unterschneidheim 1972, 2. Buch, 2. Teil, Nr. 43
- Matthäus Merian: Topographia Archiepiscopatum Moguntinensis, Trevirensis et Coloniensis. herausgegeben von Lucas Heinrich Wüthrich. Kassel / Basel 1967, S. 15 ff.
- Pantxika Béguerie-De Paepe / Magali Haas: Der Isenheimer Altar – Das Meisterwerk im Musée Unterlinden, Paris 2016, S. 25
- auch Texwindis oder Teghwind, die Schreibweise ist in der Literatur unterschiedlich. Bei dem Historiker Alfred Haverkamp wird sie als „Tenxwind von Andernach“ bezeichnet. Die Stadt Andernach ehrt sie durch eine „Texwindisstraße“
- Zu der Kontroverse über die Weiblichkeit siehe den Abschnitt "Sexuelle Begierde und Empfängnis".
- Hildegardis Bingensis: Epistolarium. Pars prima (I–XC) (= Corpus Christianorum, Continuatio Mediaevalis, Bd. 91). Herausgegeben von Lieven van Acker. Brepols, Turnhout 1991, ISBN 978-2-503-03911-4, S. 129, Nr. 52R. Vgl. auch: Hildegard von Bingen: Im Feuer der Taube: die Briefe. Übers. und hrsg. von Walburga Storch. Pattloch, Augsburg 1997, ISBN 3-629-00885-2, S. 110–114. Und Alfred Wendehorst: Die fränkischen Benediktinerabteien und die Reformation. In: Elmar Hochholzer (Hrsg.): Benediktinisches Mönchtum in Franken vom 12. bis zum 17. Jahrhundert. Zum 400. Todestag des Münsterschwarzacher Abtes Johannes IV. Burckhardt (1563–1598). Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2000, ISBN 3-87868-173-9, S. 179–194, S. 180.
- In Scivias schreibt Hildegard darüber: "Die Gesichte, die ich schaue, empfange ich nicht in traumhaften Zuständen, nicht im Schlafe oder in Geistesgestörtheit. … Sondern wachend, besonnen und mit klarem Geist. Mit den Augen und Ohren des inneren Menschen, an allgemein zugänglichen Orten – so wie Gott es will." Und in einem Brief erklärt sie ihre Visionen so: „Das Licht, das ich schaue, ist nicht an den Raum gebunden. Es ist viel, viel lichter als eine Wolke, die die Sonne in sich trägt. … Es wird von mir als ‚Schatten des lebendigen Lichtes‘ bezeichnet. Und wie Sonne, Mond und Sterne in Wasser sich spiegeln, so leuchten mir Schriften, Reden, Kräfte und gewisse Werke der Menschen in ihm auf.“ zitiert nach: Ingrid Riedel: Hildegard von Bingen. Prophetin der kosmischen Weisheit. Kreuz Verlag Stuttgart 1994, S. 64.
- Anna Reser, Leila McNeill: Frauen, die die Wissenschaft veränderten. Haupt, Bern 2022, ISBN 978-3-258-08258-5, S. 30.
- Oliver Sacks kommt in Anlehnung an Charles Singer nach sorgfältigem Studium der Bilder und Texte der beiden ‚visionären‘ Bücher zum Schluss, sie seien eindeutig hervorgerufen durch Begleiterscheinungen von Migräne wie Phosphenen und Skotomen, die das Gesichtsfeld durchziehen. Er setzt jedoch dazu: „… trugen sie (die Visionen) entscheidend dazu bei, dass Hildegard ihr Leben dem Gottesdienst und der Mystik widmete. Sie stellen ein einzigartiges Beispiel dafür dar, wie ein physiologischer Vorgang, der für die allermeisten anderen Menschen banal, unangenehm oder bedeutungslos wäre, bei einem Menschen, dessen Bewusstsein sich von der Masse abhebt, zur Grundlage höchst ekstatischer Inspirationen werden kann.“ Oliver Sacks, Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte. Rowohlt, Hamburg 1987, Kapitel Die Visionen der heiligen Hildegard. S. 212–216.
- Angela Carlevaris (Hrsg.): Hildegardis Bingensis: Liber vite meritorum (= Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis, 90). Brepols, Turnhout 1995, Prolog.
- Lieven Van Acker (Hrsg.): Hildegardis Bingensis: Epistolarium II (= Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis, 91A). Brepols, Turnhout 1993, Ep. 195.
- Laurence Moulinier: Hildegarde ou Pseudo-Hildegarde? Réflexions sur l’authenticité du traité „Cause et cure“. In: Rainer Berndt (Hrsg.): Im Angesicht Gottes suche der Mensch sich selbst. Hildegard von Bingen (1098–1179). Akademie Verlag, Berlin 2001, S. 115–146.
- Reiner Hildebrandt: Die überlieferungsgeschichtliche Komplexität der „Physica“ Hildegards von Bingen. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur, 147 (2018), Heft 2, S. 141–161.
- Irmgard Müller, Christian Schulze: Hildegard von Bingen: Physica. Edition der Florentiner Handschrift (Cod. Laur. Ashb. 1323, ca. 1300) im Vergleich mit der Textkonstitution der „Patrologia Latina“ (Migne). Olms-Weidmann, Hildesheim/Zürich/New York 2008.
- Reiner Hildebrandt, Thomas Gloning (Hrsg.): Physica. Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum. 3 Bände. De Gruyter, Berlin 2010–2014.
- Ortrun Riha: Weil der Maulwurf sich manchmal zeigt. Argumentationsstrukturen in Hildegards Causae et curae. In: Sudhoffs Archiv, 95 (2011), Heft 2, S. 222–234.
- dies.: Reißende Flüsse, schäumende Töpfe. Die Bedeutung der Bilder in Hildegards von Bingen Causae et curae. In: Concilium medii aevi, 14 (2011), S. 223–237.
- Laurence Moulinier (Hrsg.): Beate Hildegardis Cause et cure. Akademie Verlag, Berlin 2003 (= Rarissima mediaevalia 1).
- Barbara Fehringer: Das „Speyerer Kräuterbuch“ mit den Heilpflanzen Hildegards von Bingen. Eine Studie zur mittelhochdeutschen „Physica“-Rezeption mit kritischer Ausgabe des Textes. Königshausen & Neumann, Würzburg 1994 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen, Beiheft 2).
- Peter Riethe: Hildegards von Bingen „Liber simplicis medicinae“ im Mainzer „Gart der Gesundheit“. In: Sudhoffs Archiv, 89 (2005), Heft 1, S. 96–119.
- Tobias Niedenthal: Klostermedizin: Von Monte Cassino nach Bingen. In: Medizin im Mittelalter. Zwischen Erfahrungswissen, Magie und Religion (= Spektrum der Wissenschaft. Spezial: Archäologie Geschichte Kultur 2.19), 2019, S. 34–40.
- Johannes Gottfried Mayer, Tobias Niedenthal: Hildegard – ein Mythos? In: Deutsche Heilpraktiker-Zeitschrift, 13 (2018), Heft 4, S. 60–63.
- Klaus-Dietrich Fischer: Hildegard von Bingen. Kranke und Heilerin. In: Das Mittelalter, 10 (2005), Heft 1, S. 20–34.
- Beate Hildegardis Cause et cure. Hrsg. Laurence Moulinier (= Rarissima mediaevalia, 1). Akademie Verlag, Berlin 2003, liber II, insbes. Abschnitte 56, 139–140, 177–178, 284–286 (dieser Zählung folgt auch die deutsche Übersetzung von Ortrun Riha).
- Scivias. Hrsg. Adelgundis Führkötter (= Corpus Christianorum. Continuatio Mediaevalis, 43). Brepols, Turnhout 1978, S. 138 f.
- Causae et curae, II, Abschnitte 56, 139–140 und 177–178.
- Causae et curae, II, Abschnitte 143, 177–178 sowie 285–286.
- Ortrun Riha: Reißende Flüsse, schäumende Töpfe. Die Bedeutung der Bilder in Hildegards von Bingen Causae et curae. In: Concilium medii aevi, 14 (2011), S. 223–237, hier bes. S. 231–233.
- Causae et curae, II, Abschnitte 285–286.
- Alfred Haverkamp: Tenxwind von Andernach und Hildegard von Bingen. Zwei „Weltanschauungen“ in der Mitte des 12. Jahrhunderts. In: Ders. u. a. (Hrsg.): Institutionen, Kultur und Gesellschaft im Mittelalter. Festschrift für Josef Fleckenstein. Sigmaringen 1984, S. 515–548.
- Barbara Stühlmeyer: Die Gesänge der Hildegard von Bingen. Eine musikologische, theologische und kulturhistorische Untersuchung. Dissertation, Olms 2003.
- Robert Potter: The ‘Ordo Virtutum’: Ancestor of the English Moralities? In: Comparative Drama. Band 20, Nr. 3, 1986, S. 201–210.
- M. Carruthers: The Craft of Thought, Cambridge etc. 1998.
- M. R. Pfau, S. J. Morent: Hildegard von Bingen: Der Klang des Himmels, Köln 2005.
- Die Rekonstruktion des Klosters auf dem Rupertsberg - regionalgeschichte.net. Abgerufen am 6. Dezember 2024.
- Der Rupertsberg. Abgerufen am 6. Dezember 2024 (deutsch).
- Gerhard Roese: Klostermodelle in Bingen. Abgerufen am 6. Dezember 2024.
- Digitalisat der Urkunde beim Virtuellen Deutschen Urkundennetzwerk (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Ein Regest der Urkunde ist abrufbar über die Website des Landeshauptarchivs Koblenz (durchklicken zu: Bestände → Landeshauptarchiv Koblenz → A Die Zeit des alten Reiches → A.2 Klöster und Stifte → Bestand Nr. 164 Rupertsberg → Findbuch → Urkunden → Urkunde Nr. 14).
- Martyrologium romanum, 9. Auflage. Rom 1749, Kapitel September: breviary.net ( vom 20. Mai 2012 im Internet Archive).
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- Museum am Strom bingen.de
- Hildegard Garten alpbachtal.at
- Hildegard von Bingen Weg in Reith im Alpbachtal almenrausch.at
- Beiheft der Doppel-LP Ordo virtutum von 1982 bzw. der Doppel-CD Ordo virtutum von 1990.
- Gubaidulina, Aus den Visionen
- Veröffentlicht bei Rondeau Production, Leipzig 2012.
- Martin Pfnür: München: „Hildegard von Binge Drinking“ in der Roten Sonne. 11. Oktober 2023, abgerufen am 11. Februar 2024.
- Kurzportrait ( vom 17. Juli 2014 im Internet Archive) Nadja Reichardt beim Verlag DMP Doku-Medienproduktion
- Mittelalter-Epos: Margarethe von Trotta hatte ihre Vision von Hildegard von Bingen. Margarethe von Trotta hatte ihre Vision von Hildegard von Bingen. In: Moviepilot. 26. September 2009, abgerufen am 28. Februar 2018.
- Hildegard von Bingen und die Macht der Frauen. Abgerufen am 4. September 2021.
- Band 10 der deutschen Gesamtausgabe, S. 146 ff.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hildegard von Bingen |
| ALTERNATIVNAMEN | St. Hildegard |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Mystikerin; Verfasserin theologischer und medizinischer Werke; Komponistin geistlicher Lieder |
| GEBURTSDATUM | zwischen 1. Mai 1098 und 17. September 1098 |
| GEBURTSORT | Bermersheim vor der Höhe bei Alzey |
| STERBEDATUM | 17. September 1179 |
| STERBEORT | Kloster Rupertsberg bei Bingen |
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