Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990

← 1950 (DDR)Landtagswahl 19901994 →
(Zweitstimmen in %)
 %
40
30
20
10
0
38,3
27,0
15,7
5,5
4,2
2,9
2,2
1,1
3,2
LL/PDSc
Forum
Bü90
CSUh
Sonst.
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c Listenverbindung aus PDS, Demokratischer Frauenbund Deutschlands, Die Nelken, FDJ und MJV Junge Linke
h CSU in Mecklenburg
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Fehler in der Farbeingabe - Dunkel

Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990 war die erste Wahl des Landtags seit der Wiederbegründung des Landes Mecklenburg-Vorpommern infolge der Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990. Sie fand am 14. Oktober 1990 statt.

    
Insgesamt 66 Sitze
33
33
33 33 
Insgesamt 66 Sitze
  • Regierung: 33
  • Opposition: 33

Wahlverfahren

Die erste freie und demokratische Wahl des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern, wie auch die am selben Tag stattfindenden Landtagswahlen in den übrigen neuen Bundesländern, wurde auf der Grundlage des von der Volkskammer am 22. Juli 1990 verabschiedeten Gesetzes über die Wahlen zu den Landtagen in der Deutschen Demokratischen Republik gewählt. Dieses orientierte sich am Bundeswahlgesetz und wies ebenfalls eine personalisierte Verhältniswahl mit Erst- und Zweitstimme auf, mit denen jeweils zur Hälfte Direkt- und Listenkandidaten gewählt wurden. Über die Verteilung der 66 Mandate entschied allein der Anteil der Zweitstimmen, berechnet wurde sie durch das Hare/Niemeyer-Verfahren. Es galt die Fünf-Prozent-Hürde sowie eine Grundmandatsklausel bei drei gewonnenen Direktmandaten. Die Legislaturperiode betrug vier Jahre. Das aktive wie das passive Wahlrecht haben alle volljährigen Deutschen, die seit mindestens drei Monaten ihren Hauptwohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern haben.

Ausgangssituation

Ergebnisse der Volkskammer- und Kommunalwahlen 1990
Partei Volkskammerwahl
18. März 1990
Kommunalwahl
6. Mai 1990
CDU 36,3 % 27,8 %
SPD 23,4 % 20,6 %
PDS 22,8 % 19,0 %
FDP 3,6 % 6,4 %
Bündnis 90 2,4 % -
Bündnis 90/Neues Forum - 5,3 %
Grüne 2,0 % 2,4 %
Sonstige 9,5 % 24,0 %
Beteiligung 92,9 % 72,4 %

Die Landtagswahl fand elf Tage nach der Deutschen Einigung statt, zeitgleich mit den Landtagswahlen in den anderen Neuen Bundesländern. Sie war nach der Volkskammer- und der Kommunalwahl bereits die dritte Wahl im Jahr 1990 in der Folge der Umbrüche in der DDR. Sechs Wochen später fand die Bundestagswahl statt. Bei beiden Wahlen lag die CDU deutlich vor der SPD und der PDS, so dass sie auch bei der Landtagswahl als Favorit galt.

In der CDU hatte sich Alfred Gomolka in einer Stichwahl überraschend gegen den Schweriner Georg Diederich als Spitzenkandidat durchgesetzt. Für die SPD trat Klaus Klingner, Justizminister in Schleswig-Holstein, an.

Die Union konnte auf die Infrastruktur der ehemaligen Blockparteien CDU und Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) zurückgreifen, die FDP auf die Strukturen der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands (LDPD) und der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD). Beide Parteien verfügten so über Druckmaschinen, Telefone, Helfer und Geld. Zudem scheute die Bonner Parteizentrale der Union, allen voran Helmut Kohl, im Wahlkampf keine Kosten und Mühen. Die in der DDR-Opposition neu gegründete SPD sowie die Bürgerbewegungen hatten dem wenig entgegenzusetzen.

Ergebnis

ListenErststimmenZweitstimmenMandate
Gesamt
Stimmen%MandateStimmen%Mandate
Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)349.30939,129343.44738,329
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)225.39825,24242.14727,01721
Partei des Demokratischen Sozialismus (LL/PDS)144.57016,2140.39715,71212
Freie Demokratische Partei (FDP)48.7385,549.1045,544
Grüne Partei in der DDR (Grüne)42.0544,737.3364,2
Neues Forum (Forum)29.4423,326.2302,9
Bündnis 90 (Bü90)22.9762,619.9482,2
CSU in Mecklenburg (CSU)8.9761,09.9751,1
Die Republikaner (REP)7.6400,9
Deutsche Soziale Union (DSU)11.3131,36.7400,8
Deutsche Biertrinker Union (DBU)3.6700,44.9360,6
Landesverband Vorpommern (LVP)4.0140,44.5300,5
Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)1.4990,2
Die Grauen – Graue Panther (GRAUE)4620,11.2250,1
Freie Alternative Bürgerunion (FaBU)1.7340,28450,1
Einzelkandidaten4530,1
Gesamt893.10910033895.9991003366
Ungültige Stimmen33.1113,630.2213,3
Wähler926.22064,7926.22064,7
Wahlberechtigte1.431.0201.431.020
Quelle: Landtagswahlen 10/90

Erwartungsgemäß wurde die CDU deutlich stärkste Kraft im Landtag, doch kam es zu einem Patt: Sowohl Union und FDP einerseits als auch SPD und PDS erhielten je 33 Mandate. Der Übertritt von Wolfgang Schulz, SPD-Mitglied bis September 1990, zur CDU löste die Pattsituation auf: Die CDU bildete mit der FDP, die die Fünf-Prozent-Hürde knapp hatte überwinden können, eine schwarz-gelbe Koalition. Schulz wurde als Bürgerbeauftragter in die Regierungsarbeit eingebunden.

Bereits am 27. Oktober 1990 wurde Alfred Gomolka zum Ministerpräsidenten gewählt (Kabinett Gomolka). Am 19. März 1992 trat er jedoch infolge der Krise um die Privatisierung der Werften zurück. Sein Amtsnachfolger wurde der bisherige Generalsekretär der CDU Berndt Seite (Kabinett Seite I). Klaus Klingner blieb nach der Wahl Justizminister in Kiel.

Die Gruppierungen der Bürgerbewegung, die maßgeblich an der demokratischen Umwandlung der DDR beteiligt war, erzielten insgesamt 9,3 Prozent der Stimmen und somit das zweitbeste Ergebnis – nach der Abgeordnetenhauswahl in Berlin (11,4 %) bzw. der Stadtverordnetenversammlungwahl in Ost-Berlin (12,6 %) aller Landtagswahlen 1990. Da aber Grüne, Neues Forum und Bündnis 90 mit getrennten Wahllisten antraten, scheiterten alle an der Sperrklausel. So blieb Mecklenburg-Vorpommern das einzige der Neuen Bundesländer ohne parlamentarische Vertretung der Bürgerbewegung. Ihr Einzug in den Landtag hätte auch bedeutet, es wahrscheinlich zu einer großen Koalition aus CDU und SPD gekommen wäre.

Hatte die Wahlbeteiligung bei den ersten demokratischen Volkskammerwahlen am 18. März noch 92,9 Prozent und bei den Kommunalwahlen am 6. Mai 72,4 Prozent betragen, so rutschte sie nun auf 64,8 Prozent ab.

Siehe auch

  • Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern
  • Liste der Mitglieder des Landtages Mecklenburg-Vorpommern (1. Wahlperiode)
  • Liste der Landtagswahlkreise in Mecklenburg-Vorpommern 1990
  • Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns

Literatur

  • Rainer Dudek, Wolfgang Grandke: Ländereinführung und Landtagswahlen in der DDR 1990. Deutscher Gemeindeverlag, Köln u. a. 1990, ISBN 3-555-00854-4 (Kommunale Schriften für Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen; Band 2).
  • Steffen Schoon: Wählerverhalten und politische Traditionen in Mecklenburg und Vorpommern (1871-2002). Droste, Düsseldorf 2007, ISBN 3770052838.
  • Karsten Grabow: Das Parteiensystem Mecklenburg-Vorpommerns. In: Parteien und Parteiensysteme in den deutschen Ländern. Herausgegeben von Oskar Niedermayer, Uwe Jun und Melanie Haas, VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-90912-7, S. 265–290.
  • Wolfgang Donner, Friedrich-Wilhelm Schwenn, Hans-Ulrich Behm: Die ersten freien Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern. Landeszentrale für Politische Bildung Schleswig-Holstein 1990 (Gegenwartsfragen 66), ISBN 3-88312-041-3.

wikipedia, wiki, enzyklopädie, buch, bibliothek, artikel, lesen, kostenlos herunterladen, Informationen über Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990, Was ist Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990? Was bedeutet Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 1990?