United States Immigration and Customs Enforcement

Die US-amerikanische Behörde United States Immigration and Customs Enforcement (ICE) ist die größte Polizei- und Zollbehörde des Ministeriums für Innere Sicherheit (DHS) der USA mit Sitz in Washington, D.C. Sie wurde 2003 infolge der Terroranschläge am 11. September 2001 vor allem aus dem Immigration and Naturalization Service heraus neugebildet und ist verantwortlich für das Ermitteln, Identifizieren und Enttarnen von Grenzverletzungen und Gefährdungspotentialen des Verkehrswesens und der öffentlichen Infrastruktur. Sie steht auch mit sämtlichen größeren US-Botschaften im Ausland in Verbindung, um legale und illegale Einwanderungsvorgänge zu überwachen.

Vereinigte Staaten
U.S. Immigration and Customs Enforcement
— ICE —
Staatliche Ebene Bund
Stellung der Behörde Polizei- und Zollbehörde
Aufsichts­behörde(n) Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten (DHS)
Bestehen seit 1. März 2003
Hauptsitz Washington, D.C.
Haushalt 150 Mrd. US-Dollar (2025–2029), zuvor 9 Mrd. US-Dollar (2024) bzw. 3 Mrd. US-Dollar (2003)
Behördenleitung Todd M. Lyons
Mitarbeiter > 20.000
Website www.ice.gov

Die beiden internen ICE-Einheiten Homeland Security Investigations (HSI) und Enforcement and Removal Operations (ERO) treten in der Öffentlichkeit am häufigsten unter der Bezeichnung ICE in Erscheinung. Sie sind neben anderen Behörden für die Einhaltung der 400 einschlägigen Bundesgesetze zuständig. Sie führen vor allem die Deportationen illegaler Einwanderer bundesweit durch.

Die Organisation weist das breiteste Aufgabenfeld einer Bundesbehörde in den Vereinigten Staaten auf. Zudem verfügen die ICE Special Agents (deutsch „Spezialagenten“) und Federal Inspectors (deutsch „Bundesinspektoren“) über die weitreichendsten Ermittlungsbefugnisse aller US-Behörden im Inland. Das Motto lautet Protecting National Security and Upholding Public Safety (Schutz der nationalen Sicherheit und Aufrechterhaltung der Öffentlichen Sicherheit).

Auftrag

Der frühere Immigration and Naturalization Service (INS) ist wie einige andere Behörden bei der Einrichtung des ICE in diesem aufgegangen. Aufgabe des ICE ist die Überwachung der Bundesgrenzen, inklusive der Grenz- und Zollkontrolle, die Überwachung der unerlaubten Migration, die Bekämpfung des Terrorismus, der grenzüberschreitenden Kriminalität sowie der Personen- und der Objektschutz von Dienstgebäuden des Bundes.

Organisation

Führung und Personal

Behördenleiter war bis Juli 2010 ein Assistant Secretary (deutsch etwa Ministerialdirektor), seitdem ein Direktor, der direkt dem Minister für Innere Sicherheit unterstellt ist. Die Gründung des ICE basiert auf dem Gesetz Homeland Security Act of 2002. Die Behörde hat über 20.000 Mitarbeiter, davon sind die meisten Vollzugsbeamte mit über 400 Büros im In- und Ausland.

Für diese Position ist eine Bestätigung durch den Senat erforderlich. Da seit dem 20. Januar 2017 kein vorgeschlagener Direktor durch den Senat bestätigt worden ist, wird ICE seitdem kommissarisch geleitet.

Es folgen die bisherigen Direktoren der Behörde:

  • 2003–2005: Michael J. Garcia
  • 2005–2006: John P. Clark (kommissarisch)
  • 2006–2008: Julie Myers
  • 2008–2009: John P. Torres (kommissarisch)
  • 2009–2013: John T. Morton
  • 2013–2014: John Sandweg (kommissarisch)
  • 2014: Thomas Winkowski (kommissarisch)
  • 2014–2017: Sarah Saldaña
  • 2017: Daniel Ragsdale (kommissarisch)
  • 2017: Thomas Homan (kommissarisch)

Abteilungen

  • Office of Investigations (OI)
  • Office of Intelligence
  • Office of Detention and Removal (DRO) – Aufgaben der DRO sind die Kontrolle von Ausländern, ihre Inhaftierung und der Gefangenentransport sowie die Abschiebung. Sie wird von uniformierten Immigration Enforcement Agents durchgeführt.
  • Office of the United States Federal Protective Service
  • Office of the Principal Legal Advisor (OPLA)
  • Office of Congressional Relations (OCR)
  • Office of Professional Responsibility (OPR)

Sondereinheiten

Das ICE besitzt seit über 15 Jahren Special Response Teams (SRT), die den SWAT-Teams ähneln. Jede der 17 Regionaleinheiten (Homeland Security Investigation Principal Field Offices) verfügt über ein SRT, insgesamt 400 Personen.

Darüber hinaus besteht seit 1974 die Einheit Shadow Wolves, welche den Schmuggel im Gelände der Tohono Oʼodham Nation bekämpft. Sie waren ursprünglich Teil des US-Zolldienstes. Sie nutzen die traditionellen Fährtentechnik der amerikanischen Ureinwohner (Cutting for sign) und sind die einzige indigene Einheit innerhalb des Heimatschutzministeriums.

Outsourcing

Ein wesentlicher Teil der ICE-Haftanstalten und Abschiebungen wird durch private Dienstleister und in Public-Private Partnerships, etwa durch die Geo Group, betrieben.

Mit ELITE entwickelt Palantir eine Softwarelösung für Behörde, die Anschriften des US-Gesundheitsministeriums und andere Daten zur Identifikation und Lokalisierung abschiebefähiger Personen zusammenführt.

Ausrüstung

Bewaffnung

Die Vollzugsmitarbeiter (Special Agents, Deportation Officers, Immigration Enforcement Agents und Federal Protective Service Police Officers) sind mit Pistolen des Typs SIG P226 bzw. HK USP 40 ausgerüstet. Einige Einheiten verwenden zudem Schrotflinten wie die Remington 870 und Sturmgewehre wie das Steyr Aug (MP). Beim Special Response Team werden das Sturmgewehr Colt M4 und die HK MP5 verwendet.

Uniformierung und Kennzeichnungspflicht

ICE-Bundesagenten treten in einer Vielzahl taktischer und ziviler Uniformkombinationen in Erscheinung. Kennzeichnungen bestehen mitunter aus einem allgemeinen „Police“-Schriftzug, was ihre Zuordnung und Abgrenzung gegenüber Einsatzkräften anderer Behörden wie Bundes-, Staats- und örtlichen Polizeien erschwert. Dabei besteht für Agenten formell die Ausweispflicht.

Für Fahrzeuge von ICE-Agenten besteht keinerlei Kennzeichnungspflicht.

Fernmeldetechnik

Das ICE betreibt mit dem Funksystem SECTOR (UHF-Band) das einzige System einer Vollzugsbehörde der Vereinigten Staaten, das das gesamte Staatsgebiet abdeckt.

Rekrutierung und Ausbildung

Die Ausbildung findet an der ICE Academy des Federal Law Enforcement Training Center in Glynco (Georgia) statt.

Die US-Regierung Donald Trumps erhöhte 2025 die ICE-Sollstärke von 20.000 auf 30.000. Dabei sollen neue Agenten bis zu 50.000 US-Dollar Einstiegsbonus und einen Erlass ihrer Studiengebühren erhalten können. Seit 2025 mehrt sich die Verwendung von ICE-Werbeslogans, die denen von Organisationen der White-Supremacy-Bewegung wie dem Ku-Klux-Klan (KKK) ähneln.

Eine Slate-Journalistin, die das ICE-Bewerbungsverfahren als Abschiebehelfer (deportation officer) erfolgreich durchlief, dokumentierte, dass vorab keine offizielle Abfrage ihres Führungszeugnisses, etwaiger Vorstrafen oder sonstige Sicherheitsüberprüfungen erfolgt seien.

Befugnisse

Das ICE ist eine Bundesbehörde und unterliegt daher anderen Vorschriften als die lokalen Polizeibehörden. Es ist befugt, Personen festzunehmen, im Gefängnis zu behalten, während der Fall bearbeitet wird, und abzuschieben, wenn sie gegen Einwanderungsgesetze verstoßen haben. Darüber hinaus ist das ICE zur Durchführung von Razzien zur Auffindung von illegalen Einwanderern sowie zur Erforschung von Delikten, welche die illegale Einwanderung betreffen (Menschenhandel, Betrug usw.), befugt.

Für das Betreten von Privatgrundstücken einschließlich eines Gebäudes und für bestimmte Vollstreckungsmaßnahmen muss das ICE im Besitz eines Haftbefehls sein, der von einem Richter unterzeichnet wurde. Darüber hinaus kann das ICE die lokalen Polizeibehörden um Amtshilfe ersuchen; die lokalen Polizeibehörden sind jedoch nicht dazu verpflichtet, dem Amtshilfeersuchen zu entsprechen.

Gesellschaftliche Auswirkungen

Im Dezember 2025 waren 68.440 Personen durch ICE inhaftiert, davon knapp 75 Prozent ohne Verurteilung. Verschiedene wissenschaftliche Studien und Medienberichte untersuchen, welche Auswirkungen die Verhaftungen und Abschiebungen durch ICE auf die Gesellschaft haben.

Kinder und Bildungssystem

ICE-Razzien führen nachweislich zu abrupten und anhaltenden Störungen des Schulbesuchs, weil Eltern Angst haben, von ihren Kindern getrennt zu werden. In betroffenen Gemeinden steigen Fehlzeiten signifikant, und schulische Leistungen gehen zurück, auch bei Kindern, die nicht unmittelbar von Festnahmen betroffen sind. Die ICE-Razzien verursachen bei Kindern erheblichen Stress, Angst, Unsicherheit, Beklemmung und sogar Traumata. Langfristig zeigen betroffene Kinder erhöhte Bildungsrisiken, darunter Lernrückstände und emotionale Belastungen, die ihre schulische Entwicklung beeinträchtigen.

Wirtschaft und Arbeit

Arbeitsplatzrazzien durch ICE wirken als plötzlicher wirtschaftlicher Schock, der Unternehmen Arbeitskräfte entzieht, lokale Produktionsketten unterbricht und Einkommen ganzer Haushalte vernichtet. Die Furcht vor Razzien führt zu Abwesenheiten, Arbeitsplatzwechsel oder Rückzug aus bestimmten Tätigkeiten, insbesondere in Sektoren mit hohem Anteil immigrantischer Arbeitskräfte. Solche Effekte können auch rechtmäßig Beschäftigte mittelbar treffen, etwa durch Betriebsschließungen oder Auftragsverluste in lokalen Ökonomien.

Familie, Care-Arbeit und soziale Reproduktion

Razzien führen häufig zu einer abrupten Trennung von Eltern und Kindern, wodurch Haushalte in instabile und oft dauerhaft veränderte Betreuungskonstellationen gezwungen werden. Die Durchsetzungsmaßnahmen stören familiale Routinen und Betreuungsarrangements und erzeugen zusätzliche Belastungen innerhalb der Haushalte.

Gesundheit und psychisches Wohlbefinden

Großangelegte Razzien sind mit einem deutlichen Anstieg von Angststörungen, Depressionen und Posttraumatischen Belastungsstörungen in betroffenen Gemeinden verbunden. Die Symptome können sich verstetigen; Betroffene meiden medizinische Versorgung aus Angst vor Entdeckung. Einwanderungsrazzien belasten die psychische Gesundheit von Kindern und Schulgemeinschaften. Experten sagen, dass diese Razzien und ihre Folgen auch langfristige Auswirkungen haben können. Ständige Wachsamkeit und Sorgen erhöhen das Risiko für Kinder, chronische Angstzustände und Depressionen zu entwickeln. Die psychischen Belastungen durch Inhaftierungen und Abschiebungen oder auch nur die Angst davor verschärfen die Herausforderungen, denen viele Einwanderer gegenüberstehen, darunter die anhaltenden Auswirkungen von Ausbeutung, Gewalt und Familientrennung, die sie während ihrer Migration oft erlebt haben.

Zivilgesellschaft

ICE-Razzien untergraben das Vertrauen in lokale Institutionen, da Betroffene ihre Nachbarschaften, Schulen, Kirchen oder soziale Dienste zunehmend meiden. Das Rückzugs- und Vermeidungsverhalten schwächt die Tragfähigkeit lokaler Netzwerke und die Teilnahme am öffentlichen Leben. Die ständige Angst vor Razzien verändert alltägliche Routinen und soziale Kontakte und belastet damit die soziale Kohäsion.

Rechtsstaat und Chilling Effect

Untersuchungen zeigen, dass direkte Erfahrungen mit Einwanderungsdurchsetzung einen Chilling Effect haben und statistisch mit der Vermeidung öffentlicher Leistungen korrelieren, selbst wenn Anspruchsberechtigung besteht. Verstärkte Überwachung und Durchsetzung führen dazu, dass Betroffene Gerichte und Polizei meiden, wodurch der Zugang zu rechtlichen Schutzmechanismen praktisch eingeschränkt wird.

Betroffene vermeiden auch die Inanspruchnahme medizinischer Versorgung, weil sie Angst vor Kontakten mit Behörden haben. Eine höhere Intensität der Einwanderungsdurchsetzung ist mit einem deutlichen Rückgang der Medicaid-Teilnahme verbunden, selbst bei rechtlich anspruchsberechtigten Personen und Familien, da sie Furcht davor haben, als Belastung des Gesundheitswesens angesehen und ausgewiesen zu werden.

Haftbedingungen

Todesfälle von Häftlingen

Seit der Einführung einer systematischeren Erfassung von Todesfällen im Gewahrsam von ICE verzeichnen wissenschaftliche Auswertungen und behördliche Angaben für die Jahre 2018 bis 2020 insgesamt rund 35 Todesfälle in ICE-Haft, mit einem deutlichen Anstieg im Jahr 2020 im Zusammenhang mit der COVID-19-Pandemie. In den folgenden Jahren ging die Zahl der gemeldeten Todesfälle zurück und lag für die Jahre 2021 bis 2023 zusammen bei etwa zwölf Fällen, bevor sie 2024 erneut anstieg. Für das Kalenderjahr 2025 wurden 32 Todesfälle berichtet.

Unabhängige Untersuchungen zu den Todesfällen ergaben wiederholt erhebliche Mängel in den internen ICE-„Detainee Death Reviews“, darunter unvollständige medizinische Bewertungen, fehlerhafte Zeitabläufe und fehlende Ursachenanalysen, wodurch strukturelle Versäumnisse in der Versorgung der Häftlinge in den offiziellen Berichten teilweise nicht abgebildet wurden.

Zudem erfassen die offiziellen ICE-Statistiken ausschließlich Todesfälle während des formalen Gewahrsams; Todesfälle von Personen, die kurz zuvor aus der Haft entlassen wurden, bleiben unberücksichtigt, obwohl diese mit der Haft in Zusammenhang stehen können.

Im Jahr 2025 erreichte die Zahl der Todesfälle einen Höchststand. 32 Personen starben während der Haft an medizinischen Notfällen, Suiziden sowie anderen Ursachen im Zusammenhang mit Haftbedingungen, was den höchsten bekannten Wert seit 2004 darstellt und vielfach auf Überbelegung, unzureichende medizinische Versorgung und verschlechterte Haftbedingungen zurückgeführt wurde. Dieser Anstieg der Todesfälle fiel zeitlich mit einer starken Ausweitung von ICE-Einsätzen und einer Zunahme der Inhaftierungen zusammen, was politische Kritik, Forderungen nach Untersuchungen durch Menschenrechtsorganisationen und verstärkte Medienberichterstattung auslöste. Zusätzlich wurde 2025 im Rahmen intensiver Abschiebungs- und Durchsetzungsoperationen über mehrere gewaltsame Zwischenfälle berichtet, darunter tödliche Schießereien und tödliche Unfälle während Einsatzaktionen, was die Debatte über Praktiken und Strategien der Einwanderungsdurchsetzung in den Vereinigten Staaten weiter intensivierte.

Sexueller Missbrauch und sexualisierte Gewalt

Zahlreiche Nichtregierungsorganisationen berichten über sexuellen Missbrauch und sexuelle Gewalt in Einrichtungen von ICE. Aufgrund der laxen Haltung der privaten Auftragnehmer und der mangelnden Aufsicht durch die Bundesbehörden gehen viele Experten davon aus, dass die Zahl der gemeldeten Missbrauchsfälle weit hinter der tatsächlichen Zahl zurückbleibt. In einer Recherche aus dem Jahr 2010 über Vorfälle und Vorwürfe sexueller Übergriffe, Missbrauch und Belästigung in ICE-Haftanstalten berichtete Human Rights Watch von Übergriffen gegenüber mehr als 50 Gefangenen. Eine Beschwerde von Community Initiatives for Visiting Immigrants in Confinement (CIVIC) aus dem Jahr 2017 wirft dem DHS Office of Inspector General vor, über einen Zeitraum von zwei Jahren mehr als 97 Prozent der Meldungen über sexuellen Missbrauch von Personen in Einwanderungshaft nicht untersucht zu haben. 2011 berichtete die ACLU über 185 Vorwürfe sexuellen Missbrauchs von inhaftierten Frauen ohne Papiere in ICE-Haftanstalten des Bundes und verlangte Aufklärung der Fälle. CIVIC stellte fest, dass mehr Beschwerden gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) eingereicht wurden als gegen jede andere Behörde des DHS. Zusätzlich zu den 1.016 Beschwerden über sexuellen Missbrauch/sexuelle Übergriffe, die von inhaftierten Personen gemeldet wurden, gab es 402 Beschwerden über „erzwungenen sexuellen Kontakt“, 196 Beschwerden über „sexuelle Belästigung“ und 380 Beschwerden über „körperlichen oder sexuellen Missbrauch“, die gegen die ICE eingereicht wurden. Das RFK Center reichte 2025 gemeinsam mit der ACLU of Louisiana und dem National Immigration Project Beschwerden wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen im South Louisiana ICE Processing Center ein. Eine Frau und drei transgeschlechtliche Personen berichten dort von systematischem sexuellem Missbrauch, Belästigung, Zwangsarbeit und medizinischer Vernachlässigung. Die Vorwürfe deuteten laut der Beschwerde auf ein strukturelles Muster von Machtmissbrauch hin.

Kritik

Paramilitarisierung der Behörde und Missbrauch durch Donald Trump zu politischen Zwecken

Das ICE steht in der Kritik, bei Verhaftungen aggressive, militärische Taktiken einzusetzen und exzessive Gewalt anzuwenden, was der demokratische Gouverneur von Illinois, JB Pritzker, auf CNN mit den Worten beschrieb: „Sie feuern Tränengas und Rauchgranaten ab und lassen es so aussehen, als wäre es ein Kriegsgebiet.“ Pritzker fügte hinzu: „Sie führen Razzien in Wohngebieten durch, wo sie, anstatt die Kriminellen zu verfolgen, einfach braunhäutige und schwarze Menschen festnehmen und dann deren Ausweispapiere überprüfen.“ Auch wird es dafür kritisiert, dass es maskiert Migranten verhaftet, ohne sich auszuweisen. Darüber hinaus werden die Haftbedingungen der inhaftierten Migranten kritisiert (schmutzige Toiletten, schlechtes Essen, Schlafen auf dem Fußboden).

Jason Stanley schrieb 2024, das ICE ähnele „faschistischen paramilitärischen Organisationen“. Es sei „eine Spezialeinheit, geschaffen während einer antidemokratischen Phase der amerikanischen Geschichte“ (2003, kurz nach den Terroranschlägen vom 11. September), „die über polizeiähnliche Befugnisse verfügt und sich gegen Randgruppen innerhalb [der Vereinigten Staaten] richtet“ und dessen Leiter Trump nahestehe. Das ICE ähnele einer Polizei, sei aber keine. Es kooperiere zwar oft mit den ‚echten‘ Strafverfolgungsbehörden und der Polizei, seine Ziele liefen aber häufig diesen Institutionen zuwider. Die Organisation schüre Angst unter Einwanderern, sodass diese weniger bereit seien, Verbrechen anzuzeigen. Ziel des ICE sei nicht, Amerika sicherer zu machen, sondern die Unterscheidung zwischen Amerikanern und Nicht-Amerikanern weiter zu verstärken.

Da Donald Trump vorgeworfen wurde, umfangreiche und personalintensive ICE-Einsätze seit seiner zweiten Amtseinführung im Jahre 2025 insbesondere in demokratisch regierten Städten und Bundesstaaten anordnete, um gezielt die lokalen Bevölkerungen zu terrorisieren, einzuschüchtern und um Unruhe zu erzeugen und Aufstände zu provozieren, wurde ICE von Kritikern auch als Trumps Gestapo bezeichnet.

Racial Profiling und Unterstützung ‚weißer Vorherrschaft‘

Native Americans und Mitglieder indigener Stämme berichten wiederholt von als übergriffig wahrgenommenen Ausweiskontrollen, versuchten und erfolgten Festnahmen durch ICE-Agenten, darunter Elaine Miles, was vielfach als Racial Profiling bewertet wurde. Bürgerrechtsorganisationen wie die ACLU bewerten die Vorgehensweise von ICE seit geraumer Zeit als Stärkung rassistischer Ressentiments und der Ideologie weißer Überlegenheit.

Vorwurf des exzessiven Schusswaffengebrauchs

Anfang Januar 2026 wurde in Minneapolis die 37-Jährigen Renée Nicole Good durch Schüsse eines ICE-Beamten getötet. Nach Angaben der Polizei befand sie sich in ihrem Auto und blockierte eine Straße. Als sich ein ICE-Beamter dem Fahrzeug näherte, setzte sich dieses in Bewegung und es fielen mindestens zwei Schüsse. Die 37-Jährige erlitt dabei eine Kopfverletzung und wurde später im Krankenhaus für tot erklärt. Laut Heimatschutzministerin Kristi Noem und US-Präsident Donald Trump habe die Frau versucht, die Einsatzkräfte zu überfahren, welche dann in Notwehr geschossen hätten. Jacob Frey, Bürgermeister von Minneapolis und Tim Walz, Gouverneur von Minnesota, widersprachen dieser Darstellung. Laut Frey habe die Frau versucht, vom Einsatzort zu flüchten und nicht versucht, die Einsatzkräfte anzugreifen. Walz kritisierte, dass die US-Regierung versuche, die Ermittlungen durch Landesbeamte zu behindern und rief die Bevölkerung Minnesotas auf, friedlich zu demonstrieren. Der Tod der Frau sorgte für Proteste in Minnesota, sowie in weiteren großen Städten der USA, wie Houston, Washington, D.C. oder Philadelphia. Das Wall Street Journal publizierte am 10. Januar einen Bericht über insgesamt 13 Fälle, in denen Beamte seit Juli 2025 auf oder in zivile Fahrzeuge geschossen haben, wobei mindestens acht Menschen angeschossen wurden und zwei Todesfälle bestätigt wurden. Laut Gerichtsakten und Angaben von Anwälten war nur ein Zivilist bewaffnet – mit einer versteckten Waffe, die nie gezogen wurde – und mindestens fünf der angeschossenen Personen waren US-Bürger.

Am 24. Januar 2026 wurde erneut ein US-Bürger, Alex Pretti, durch ICE-Mitarbeiter erschossen. Er hatte zuvor ICE-Mitarbeiter gefilmt und sich schützend vor eine Frau gestellt, die von ICE-Mitarbeitern zu Boden geworfen wurde. Er wurde anschließend von mehreren ICE-Agenten ebenfalls zu Boden geworfen und geschlagen. Kurz darauf fielen innerhalb von fünf Sekunden zehn Schüsse. Das Todesopfer Alex Pretti war 37 Jahre alt, hatte einen Bachelor in Biologie und arbeitete als Intensivpfleger in einem Krankenhaus in Minneapolis.

Siehe auch

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