Die Young Global Leaders (YGL), zwischen 1993 und 2003 als Global Leaders for Tomorrow bekannt, sind ein Programm und internationales Netzwerk für Nachwuchsführungskräfte, das vom Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) gegründet wurde. Das YGL-Forum bringt ausgewählte Führungspersönlichkeiten unter 40 Jahren aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Zivilgesellschaft zusammen. Ziel der Initiative ist es, diese „Young Global Leaders“ durch ein mehrjähriges Programm mit Weiterbildungsangeboten, Netzwerk-Treffen und Projekten auf globale Führungsverantwortung vorzubereiten. Die Mitglieder werden aufgrund ihrer beruflichen Leistungen, ihres Engagements und ihres Potenzials ausgewählt und sollen durch die YGL-Gemeinschaft und ihr Netzwerk bei der Lösung globaler Herausforderungen mitwirken. Organisatorisch ist das Forum of Young Global Leaders als gemeinnützige Stiftung in der Schweiz angesiedelt und eng mit dem Weltwirtschaftsforum verbunden.
Geschichte
Das Programm geht auf eine Initiative von WEF-Gründer Klaus Schwab zurück. Bereits 1993 rief Schwab die Vorgängerplattform Global Leaders for Tomorrow ins Leben, aus der zahlreiche bekannte Persönlichkeiten hervorgingen. Im Jahr 2004 wurde dieses Konzept neu ausgerichtet und als Forum of Young Global Leaders etabliert. Schwab gründete die YGL-Stiftung mit dem Preisgeld von 1 Mio. US-Dollar, das er als Dan-David-Preisträger (Universität Tel Aviv) erhalten hatte. Die erste YGL-Kohorte wurde 2005 ernannt; seither wählt das Weltwirtschaftsforum jedes Jahr zwischen 100 und 300 herausragende junge Führungspersönlichkeiten aus einer Kandidatenliste von mehreren tausend Personen aller Welt in die YGL-Community. Die Auswahljury stand anfänglich unter dem Vorsitz von Königin Rania von Jordanien und umfasste internationale Persönlichkeiten aus Medien und Wirtschaft. In den ersten Jahren firmierte die Gemeinschaft der YGL auch als „Forum of Young Global Leaders“, inzwischen hat sich die Bezeichnung Young Global Leaders allgemein durchgesetzt.
Bis ca. 2025 wurden insgesamt rund 1400 Personen aus über 120 Ländern in das Programm aufgenommen. Unter Schwabs Dach entstanden später weitere Netzwerke für die nächste Generation, etwa die Global Shapers Community (seit 2011) für 20- bis 30-Jährige. Im Jahr 2024 feierte das Young-Global-Leaders-Forum sein 20-jähriges Bestehen.
Struktur und Ablauf
Die YGL-Community ist als unabhängige Stiftung organisiert und wird von einem Stiftungsrat geleitet. Dem Stiftungsvorstand gehören hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an; beratend ist zudem ein Gremium ehemaliger YGL-Alumni tätig. Dem Stiftungsrat steht ein Vorstand mit 10 Mitgliedern vor. Die Finanzierung erfolgt über Spenden von Partnerunternehmen sowie zum Teil über Mitgliedsbeiträge der teilnehmenden Führungskräfte aus der Privatwirtschaft. So zahlen Wirtschaftsvertreter eine jährliche Gebühr (etwa 10.000 Schweizer Franken, meist vom Arbeitgeber übernommen) an das YGL-Forum, während Non-Profit-Leader und Politiker üblicherweise von Beiträgen befreit sind. Das Jahresbudget der YGL-Stiftung lag 2018/19 bei rund 4,5 Mio. CHF.
Die Auswahl der Young Global Leaders erfolgt einmal jährlich. Kandidaten können nicht selbst kandidieren, sondern werden vom Stiftungsrat vorgeschlagen. Voraussetzung sind eine herausragende berufliche Position mit Führungsverantwortung von mindestens fünf Jahren bei einem Alter von unter 40 Jahren. Aus mehreren tausend Vorschlägen erstellt das WEF eine Shortlist, welche von einer Jury (bestehend aus WEF-Vertretern und ausgewählten Alumni) geprüft wird. Neben dem Alter spielen dabei schwer messbare Kriterien eine Rolle, wie berufliche Erfolge, nachgewiesene Leadership-Qualitäten, gesellschaftliches Engagement und öffentliche Anerkennung. Die endgültige Auswahl der jährlich etwa 100 bis 200 neuen YGL erfolgt nach einem mehrstufigen Verfahren, dessen genaue Abläufe vom WEF nicht öffentlich gemacht werden.
Die Aufnahme ins YGL-Forum beinhaltet ein mehrjähriges Förderprogramm. Ursprünglich erstreckte sich die aktive Programmdauer über fünf Jahre. Mittlerweile beschreibt das WEF das YGL-Programm als einen intensiven drei-Jahres-Zyklus. In dieser Zeit nehmen die YGL-Mitglieder an jährlichen Konferenzen, Workshops und Studienreisen teil, oft in Verbindung mit dem Rahmen des WEF-Jahrestreffens in Davos oder regionalen Gipfeln. So fand z. B. 2019 ein YGL-Jahrestreffen in Dalian (China) statt. Ein Bestandteil ist auch ein Weiterbildungsmodul an einer führenden Hochschule (wie der Harvard University) sowie die Mitarbeit an gemeinsamen Initiativen und gemeinnützigen Projekten. Die YGL sollen durch diese Programmpunkte ihre Führungskompetenzen weiterentwickeln, ein globales Netzwerk aufbauen und Impulse für Lösungen globaler Probleme erarbeiten. Nach Abschluss des Programms verbleiben sie als Alumni in der YGL-Community und können auch weiterhin an ausgewählten WEF-Veranstaltungen teilnehmen sowie Einfluss auf die nächste Generation der YGL nehmen.
Rezeption
Das YGL-Programm und seine Teilnehmer werden in der Öffentlichkeit sowohl positiv wahrgenommen als auch kritisiert. So betont das WEF die globale Perspektive und die Möglichkeit, über das Netzwerk sektorenübergreifend an Lösungen für weltweite Probleme zu arbeiten. So berichten Alumni, die YGL-Mitgliedschaft habe ihnen wertvolle Kontakte und Inspiration verschafft, um in ihren Heimatländern positive Veränderungen voranzutreiben. Die Einbindung junger Vertreter aus verschiedensten Bereichen wird grundsätzlich als wichtiger Beitrag gesehen, um neue Ideen in internationale Debatten einzubringen. Als sehr vorteilhaft wird von Alumni, dass „einzigartige Netztwerk“ angesehen, was eine Mitgliedschaft verschafft.
Gleichzeitig gibt es umfangreiche Kritik an dem Forum der Young Global Leaders. Häufig moniert werden fehlende Transparenz und eine undurchsichtige Auswahl der Mitglieder. Beobachter stellen fest, dass die Kriterien der Nominierung unklar bleiben und sehr unterschiedliche Personen aufgenommen werden „von der reichen Erbin bis zum brillanten Denker ist alles dabei“. Der Schweizer Ökonom Norbert Thom urteilte, bei der Zusammensetzung der YGL scheine „Prominenz wichtiger zu sein als Leadership-Potenzial“. Mehrere Kritiker bemängeln, die Tiefe und Professionalität des Auswahlprozesses seien zweifelhaft; prominente Namen und Netzwerkkontakte würden am Ende stärker zählen als tatsächliche Führungsqualitäten. Als Beispiel für eine verfehlte Auswahlentscheidung gilt die Aufnahme von Saif al-Islam al-Gaddafi (Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi) in den YGL-Jahrgang 2006. Seine spätere Verstrickung in Menschenrechtsverbrechen machte diese Ehrung im Nachhinein zu „einer der großen Imagepannen für das WEF-Imperium“. Generell, so die Kritik, sei das Forum der Young Global Leaders ein „fragwürdiger Nachwuchselite-Zirkel“, dessen Auswahlkriterien willkürlich und dessen Zweck teils mehr der Selbstdarstellung der Mitglieder dienen würde.
Darüber hinaus wird das YGL-Forum im Kontext einer allgemeinen Globalisierungskritik betrachtet. Kapitalismuskritische Autoren (z. B. Norbert Häring) bezeichnen die Young Global Leaders als eine Art weltweite „Kaderschmiede“ der im WEF versammelten Konzerne zur Heranbildung zukünftiger politischer und wirtschaftlicher Entscheidungsträger. Das WEF-Jahrestreffen in Davos insgesamt wird mitunter als „Festival der Eitelkeiten“ kritisiert – es gehe den Teilnehmenden weniger um die Lösung globaler Probleme als um die Zurschaustellung ihrer Zugehörigkeit zur globalen Elite und um Prestige. In diesem Zusammenhang wird auch die demokratische Legitimation des WEF und seiner Ableger hinterfragt, da es sich um exklusive Veranstaltungen einflussreicher Eliten handle, von denen die breite Öffentlichkeit ausgeschlossen bleibe. Der geschlossene Charakter und die Nähe zu wirtschaftlichen Lobbyinteressen nähren bei Kritikern die Befürchtung, informelle Netzwerke wie YGL könnten politischen Einfluss abseits demokratischer Kontrollmechanismen ausüben.
Schließlich ist das Young-Global-Leaders-Programm vereinzelt zum Gegenstand von Verschwörungstheorien geworden. Insbesondere während der COVID-19-Pandemie und der Debatte um den „Great Reset“ wurden die YGL und das WEF als Teil einer angeblichen geheimen Weltregierung oder „Ökodiktatur“ diffamiert. Klaus Schwab wurde kritisiert, als er zugab, mit Young Global Leaders in Regierungen „eingedrungen“ (penetrating cabinets) zu sein. So war die Hälfte der Mitglieder des Kabinetts des kanadischen Premiers Justin Trudeau (einem YGL) von 2017 ebenfalls YGL-Alumni.
Mitglieder
Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche international bekannte Persönlichkeiten als Young Global Leaders ausgezeichnet (einschließlich Alumni des Vorgängerprogramms Global Leaders for Tomorrow):
- Akishino, Kronprinzessin von Japan
- Sam Altman, US-amerikanischer Unternehmer, Mitbegründer von OpenAI
- Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland (2017–2023)
- Gabriel Attal, Premierminister von Frankreich (2024)
- Stéphane Bancel, CEO von Moderna
- Annalena Baerbock, deutsche Außenministerin
- José Manuel Barroso, Präsident der EU-Kommission (2004–2012) und Ministerpräsident Portugals (2002–2004)
- Marc Benioff, US-amerikanischer Unternehmer
- Tony Blair, Premierminister des Vereinigten Königreichs (1997–2007)
- Pete Buttigieg, US-amerikanischer Politiker und Verkehrsminister
- David Cameron, Premierminister des Vereinigten Königreichs (2010–2016)
- Leonardo DiCaprio, US-amerikanischer Filmschauspieler und Umweltaktivist
- Chelsea Clinton, US-amerikanische Autorin, Tochter von Bill und Hillary Clinton
- Amal Clooney, britisch-libanesische Juristin, Ehefrau von George Clooney
- Anderson Cooper, US-amerikanischer Journalist und Autor
- Mathilde d’Udekem d’Acoz, Königin der Belgier
- Waris Dirie, somalisch-österreichische Schriftstellerin und Fotomodell
- Pawel Durow, russischer Unternehmer und Gründer von Telegram
- Roger Federer, Schweizer Tennisspieler
- Mathieu Flamini, französischer Fußballspieler und Unternehmer
- Frederik X., König von Dänemark
- Haakon von Norwegen, Kronprinz von Norwegen
- Hubertus Heil, deutscher Politiker und Bundesminister für Arbeit und Soziales
- Chad Hurley, US-amerikanischer Unternehmer und Mitbegründer von YouTube
- Mélanie Joly, kanadische Rechtsanwältin und Politikerin, Außenministerin Kanadas
- Sebastian Kurz, Bundeskanzler von Österreich (2017–2019, 2020–2021)
- Ashton Kutcher, US-amerikanischer Schauspieler, Moderator und Unternehmer
- Jack Ma, chinesischer Unternehmer und Gründer der Alibaba Group
- Emmanuel Macron, Staatspräsident von Frankreich (seit 2017)
- María Corina Machado, venezolanische Politikerin und Friedensnobelpreisträgerin
- Sanna Marin, Premierministerin von Finnland (2019–2023)
- Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland (2005–2021)
- Ed Miliband, britischer Politiker, Parteiführer der Labour Party
- Elon Musk, Unternehmer und Gründer von u. a. SpaceX, CEO von Tesla
- Enrique Peña Nieto, Präsident von Mexiko (2012–2018)
- Cem Özdemir, deutscher Politiker und Landwirtschaftsminister
- Larry Page, Mitgründer von Google
- Juhan Parts, estnischer Politiker, Premierminister von Estland
- Samantha Power, irisch-US-amerikanische Journalistin, Autorin und Wissenschaftlerin
- Megan Rapinoe, US-amerikanische Fußballspielerin
- Matteo Renzi, Ministerpräsident Italiens (2014–2016)
- Nico Rosberg, deutsch-finnischer Automobilrennfahrer und Investor
- Philipp Rösler, deutscher Manager und Politiker
- Mark Rutte, Ministerpräsident der Niederlande, und NATO-Generalsekretär
- Nathaniel Rothschild, 5. Baron Rothschild, britischer Investmentbanker
- Micheil Saakaschwili, Staatspräsident von Georgien (2004–2013)
- Nicolas Sarkozy, Staatspräsident von Frankreich (2007–2012)
- Sheryl Sandberg, US-amerikanische Geschäftsfrau und Co-Geschäftsführerin von Facebook (2008–2022)
- Michael Schumacher, deutscher Automobilrennfahrer
- Alexander Soros, US-amerikanischer Philanthrop
- Jens Spahn, deutscher Politiker und Gesundheitsminister
- Charlize Theron, südafrikanisch-US-amerikanische Schauspielerin
- Peter Thiel, US-amerikanischer Investor
- Mette-Marit Tjessem Høiby, Ehefrau des norwegischen Kronprinzen
- Justin Trudeau, Premierminister von Kanada (2015–2025)
- Leo Varadkar, Taoiseach von Irland (2022–2024)
- Victoria von Schweden, Kronprinzessin von Schweden
- Jimmy Wales, Mitbegründer der Wikipedia
- Willem-Alexander, König der Niederlande
- Mark Zuckerberg, Gründer und CEO von Facebook (USA)
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